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Jeder Mensch hat das Recht, in Würde zu sterben.
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Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) steht als wissenschaftliche Fachgesellschaft für die interdisziplinäre und multiprofessionelle Vernetzung: 5.500 Mitglieder aus Medizin, Pflege und weiteren Berufsgruppen engagieren sich für eine umfassende Palliativ- und Hospizversorgung in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.

Gemeinsames Ziel ist es, bei schwerer Erkrankung für weitgehende Linderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität zu sorgen - in welchem Umfeld auch immer Betroffene dies wünschen.
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DGP AKTUELL

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben am 29.11.2016 eine Vereinbarung getroffen, mit der die besonders qualifizierte und koordinierte palliativ-medizinische Versorgung (BQKPMV) eingeführt wird. Die Umsetzung durch eine Ergänzung des Absatz 1b in den § 87 SGB V ist zum 01.01.2017 zur Wirkung gekommen. Als Garanten für die allgemeine ambulante Palliativversorgung sind in erster Linie die Hausärzte vorgesehen, da diese durch ihren Versorgungsauftrag (Familienmedizin, Hausbesuche, Versorgung in Pflegeheimen etc.) unmittelbar in die Betreuung Schwerstkranker eingebunden sind. Mit der besonders qualifizierten und koordinierten palliativ-medizinischen Versorgung (BQKPMV) wurde nun ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung der allgemeinen PV gemacht, der von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) insgesamt sehr begrüßt wird. Einzelne Punkte in der Vereinbarung sind jedoch aus DGP-Sicht als problematisch anzusehen, diese sind in einem aktuell veröffentlichten Kommentar näher ausgeführt.

DGP KOMMENTAR

Vor gut einem Jahr wurde mit dem § 217 StGB ein gesetzliches Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung eingeführt, das insbesondere bei Ärztinnen und Ärzten Verunsicherung ausgelöst hat, inwieweit sie sich in der Begleitung und Behandlung von schwerkranken Patienten, die nicht länger leben wollen, strafbar machen könnten. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) stellt in einer aktuellen Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt klar, dass die neue strafrechtliche Regelung die Palliativversorgung von schwerstkranken Menschen auch dann nicht beeinträchtigt, wenn diese einen Sterbewunsch äußern. Ärzte müssen daher weiterhin sorgfältig zuhören, wenn Patienten von Todeswünschen berichten, und deren persönliche Haltungen und Einstellungen respektieren. Entsprechende Äußerungen von Patienten dürften auch nicht dazu führen, dass notwendige symptomlindernde Maßnahmen wie z.B. die Gabe von hochdosierten Opioiden zur Schmerzbehandlung unterlassen werden.

„Grundsätzlich bestehen zwischen einer auf die Herbeiführung des Todes zielenden Suizidbeihilfe und einer Palliativversorgung von schwer kranken Menschen deutliche Unterschiede, die klar erkennbar und benennbar sind.“ heißt es einleitend in der Stellungnahme der DGP. Dort zeigt die wissenschaftliche Fachgesellschaft aus palliativmedizinischer, ethischer und juristischer Sicht auf, welches Vorgehen unter dem neuen Recht unproblematisch und was möglicherweise bedenklich ist.

Zum heutigen 25-jährigen Verbandsjubiläum des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes (DHPV) gratulieren Vorstand und Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) sehr herzlich! In seinen Glückwünschen an den Dachverband der Verbände und Organisationen insbesondere der Hospizarbeit betont Prof. Dr. Lukas Radbruch als Präsident der etwas jüngeren wissenschaftlichen Fachgesellschaft: „Die positive Entwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland wäre ohne den Einsatz des DHPV und den kontinuierlichen Austausch zwischen „Hospiz“ und „Palliativ“ undenkbar gewesen. Auch ist eine vernetzte Hospiz- und Palliativversorgung, die niemanden mit seiner Erkrankung alleine lässt, nur mit Hilfe der enormen Anzahl der in der Hospizbegleitung ehrenamtlich Engagierten zu leisten.“

Die Geschäftsstellen beider Verbände arbeiten seit bald zehn Jahren in enger Nachbarschaft an einer Adresse in Berlin-Wilmersdorf zusammen, fast ebenso lange trägt das mit der Bundesärztekammer gemeinsame Projekt der „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ zu einem regen und konstruktiven Austausch zwischen den beiden Berliner Institutionen bei. Deshalb freut sich die DGP besonders, heute mit Vertretern des Vorstands und der Geschäftsführung an den Feierlichkeiten in Berlin teilnehmen zu können.

Für neue Verträge zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) ist seit einem Beschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 15. Juni 2016 eine EU-weite Ausschreibung erforderlich. Diese Tatsache erschwert derzeit den Abschluss neuer SAPV-Verträge und beeinträchtigt damit die ambulante Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen zuhause oder in Einrichtungen der stationären Alten- und Behindertenhilfe. Faktisch ist damit in den vergangenen Monaten „eine Zwangspause im weiteren Ausbau der SAPV in Deutschland aufgetreten“, betont die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) in einer heutigen Stellungnahme. Diese trifft ausgerechnet Menschen, die aufgrund ihrer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung weder die Kraft noch die Zeit haben, sich für ihr Recht auf eine häusliche Versorgung einzusetzen, die an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden für sie erreichbar sein sollte.

„Die Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen darf nicht in erster Linie durch wettbewerbsrechtliche Bestimmungen geprägt sein.“ erklärt Prof. Dr. med. Lukas Radbruch, Präsident der DGP, „vielmehr müssen sich von schwerer Erkrankung betroffene Patienten und Angehörige vor Ort auf eine gut koordinierte und vernetzte Versorgung höchster Qualität verlassen können.“ Deshalb ruft die wissenschaftliche Fachgesellschaft mit rund 5.500 in der Palliativversorgung tätigen Mitgliedern die politischen Entscheidungsträger dazu, die SAPV aus den Regelungen des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen herauszunehmen, um den bundesweit erforderlichen Aufbau neuer SAPV-Teams und den dringend notwendigen Ausbau einer flächendeckenden Versorgung nicht auszubremsen.

DGP-STELLUNGNAHME