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DGP-Präsidentin Claudia Bausewein zu heute vorgelegtem Gesetzentwurf: „Suizidhilfe: Beratung und Durchführung müssen getrennt sein!“

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) begrüßt, dass mit dem heute vorgelegten fraktionsübergreifenden Entwurf eines Suizidhilfegesetzes die Diskussion wieder aufgenommen wird: „Nach fast einem Jahr Pause wird es Zeit, die gesellschaftliche Debatte zur Sterbewünschen und Suizidassistenz wieder in Gang zu bringen“, so Prof. Dr. Claudia Bausewein, seit wenigen Tagen Präsidentin der DGP. Inhaltlich hebt sie an dem vorgelegten Entwurf hervor: „Auch wir halten es für wesentlich, im Falle der Bitte um Suizidassistenz Beratung und Durchführung klar zu trennen!“ Positiv sieht sie außerdem, dass es nicht um eine strafrechtliche Regelung geht und klar gestellt wird, dass eine Ärztin oder ein Arzt nicht zur Suizidassistenz verpflichtet werden kann.

Viele der im Gesetzentwurf vorgeschlagenen Regelungen sind aber auch durchaus kritisch zu sehen. Die Mindestfrist von nur zehn Tagen zwischen Beratung und Durchführung der Suizidhilfe ist dringend zu diskutieren. Während schwerstkranke Menschen am Lebensende vielleicht wirklich nicht länger warten können, wird diese Frist für Menschen in einer Lebenskrise, zum Beispiel nach dem Verlust eines geliebten Menschen oder nach schweren unfallbedingten Verletzungen, viel zu kurz bemessen sein. Ebenso ist zu fragen, warum nur akute und keine chronischen psychischen Störungen ausgeschlossen werden und wie der freie Wille nur in einem einmaligen Arztgespräch beurteilt werden soll.

Die wissenschaftliche Fachgesellschaft hat sich über das gesamte vergangene Jahr z.B. im Rahmen ihres Online-Kongresses im September oder in einer Anhörung beim Deutschen Ethikrat im Dezember intensiv an der Debatte beteiligt, was das Verwerfen des §217 StGB im Februar 2020 für schwerstkranke Patientinnen und Patienten, die so nicht mehr leben möchten, bedeuten kann. „Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir mit der differenzierten Auseinandersetzung mit diesem und weiteren Gesetzesvorschlägen auf dem Weg zu einer Normalisierung der Suizidbeihilfe sind“, so Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum München, deshalb müsse der Schutz schwerkranker Menschen mit Sterbewünschen absolut im Vordergrund stehen.

AKTUELLES AUS DEN MEDIEN

ENTWURF SUIZIDHILFEGESETZ

 

 

Frisch gewählte DGP-Präsidentin Claudia Bausewein übernimmt Staffelstab von Lukas Radbruch / Vorstandsteam gut aufgestellt

Porträt Bausewein 2019Neue DGP-Präsidentin: Prof. Dr. Claudia Bausewein. Foto: Christian KaufmannZur neuen Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) wurde Prof. Dr. Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum München, gewählt. Nach ihrer Wahl im Rahmen einer digitalen Mitgliederversammlung am Abend des 25. Januar betonte die frisch gebackene Präsidentin: „Ich freue mich auf diese ehrenvolle Aufgabe und die Zusammenarbeit mit den Gremien der Fachgesellschaft und den Mitgliedern. Mein Dank gilt Professor Lukas Radbruch für die engagierte Zeit als Präsident in den letzten sechs Jahren.“ An Bauseweins Seite: Vizepräsident Dr. Bernd Oliver Maier, Chefarzt Palliativmedizin und interdisziplinäre Onkologie, St. Josefs-Hospital Wiesbaden, und Vizepräsident Dipl.-Psych. Urs Münch, Psychologischer Psychotherapeut und Psychoonkologe an den DRK Kliniken Berlin Westend, sowie sieben weitere Vorstandsmitglieder – ein bewährtes und bestätigtes Team, in das zwei Beisitzerinnen neu hinzu gewählt wurden.

Lukas RadbruchSechs Jahre DGP-Präsident: Prof. Dr. Lukas Radbruch. Foto: Johann F. SabaIn die sechsjährige und damit höchstmögliche Amtszeit des bisherigen Präsidenten Prof. Dr. Lukas Radbruch, Leiter der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Bonn und des Zentrums für Palliativmedizin am Malteser Krankenhaus Bonn/Rhein-Sieg, fielen insbesondere das Hospiz- und Palliativgesetz im Jahr 2015, der parallel eingeführte, jedoch im Jahr 2020 vom Bundesverfassungsgericht verworfene § 217 StGB sowie über den gesamten Zeitraum die Sterbehilfedebatte. Das vergangene Jahr war außerdem geprägt durch die Anforderungen an die Palliativversorgung unter Maßgabe der Corona-Pandemie, sein Fazit: „Es geht doch nicht nur darum, genügend Intensivbetten zur Verfügung zu haben, sondern ebenso darum, dass Menschen auch in der Pandemie die letzte Lebensphase würdig verbringen können, im Beisein ihrer Angehörigen und nicht einsam und isoliert.“

Highlights waren für Radbruch die lokale Ausrichtung des Weltkongresses der European Association for Pallia-tive Care, zu dem 2019 mehr als 3.000 Teilnehmer*innen aus über 100 Ländern in Berlin anreisten, sowie der Festakt zum 25-jährigen Jubiläum der DGP ebenfalls in 2019 – aus 14 Gründungsmitgliedern war bis dahin eine multiprofessionelle Fachgesellschaft mit über 6.000 Mitgliedern geworden. Lukas Radbruch bilanziert: „Palliativversorgung ist nicht mehr ein `Hobby´ einer kleinen Zahl von Pionieren, sondern ist Teil der Gesundheitsversorgung in Deutschland geworden: Jeder Mensch hat mittlerweile einen Anspruch auf eine angemessene Palliativversorgung bei schwerer Erkrankung und bis zum Lebensende.“

Seit Gründung im Jahr 1994 ist es Anliegen der DGP, die Fortentwicklung der Palliativmedizin und Palliativver-sorgung interdisziplinär und berufsgruppenübergreifend auf allen Ebenen zu fördern. Wesentliche Herausforderungen für die zukünftige Arbeit der wissenschaftlichen Fachgesellschaft sind laut der für die kommenden zwei Jahre gewählten DGP-Präsidentin Claudia Bausewein: „Die Pandemie und die Debatte um den assistierten Suizid dominieren im Moment die Diskussionen und brauchen auch weiter unsere volle Aufmerksamkeit. Ich wünsche mir aber, dass wir darüber hinausschauen und weiter daran arbeiten, wie wir qualitativ hochwertige und gute Palliativversorgung möglichst vielen Menschen zugänglich machen können, nicht nur im spezialisierten Setting.“

Zusammen mit Schriftführerin Katja Goudinoudis, Schatzmeister Andreas Müller und den fünf Beisitzer*innen Prof. Dr. Anne Letsch, Dr. Wiebke Nehls, Dr. Ulrich Grabenhorst, Prof. Dr. Henrikje Stanze und Alexandra Scherg bilden die Präsidentin und Vizepräsidenten im DGP-Vorstand nicht nur die verschiedenen Berufsgruppen ab, sondern vertreten die ambulante ebenso wie die stationäre Palliativversorgung, die Versorgung auf dem Lande ebenso wie die in der Stadt sowie diverse Bundesländer von Schleswig-Holstein bis Bayern. Claudia Bausewein freut sich darauf, gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen, über 30 Arbeitsgruppen, Sektionen und Landesvertretungen der DGP und dem Team der DGP-Geschäftsstelle in Berlin die Kompetenz und Haltung der Hospiz- und Palliativversorgung noch mehr in die Breite zu bringen, in die Pflegeheime, in die Krankenhäuser, nach Hause und gleichzeitig noch stärker in beratender Funktion gehört zu werden.

Über 6.000 Mitglieder bilden die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: Rund 55 Prozent kommen aus der Medizin, 30 Prozent aus der Pflege und fünfzehn Prozent aus der Psychologie, der Seelsorge, den Sozial-Berufen, der Physiotherapie, der Pharmazie sowie weiteren in der Palliativversorgung tätigen Berufsgruppen.

DGP schreibt Anerkennungs- und Förderpreis für „Ambulante Palliativversorgung“ 2021 aus

Berlin/Aachen, Januar 2021. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) verleiht in diesem Jahr zum vierzehnten Mal den mit 10.000 € dotierten „Anerkennungs- und Förderpreis für Ambulante Palliativversorgung“. Stifter ist die Grünenthal GmbH. Anträge für den Preis können bis zum 31. März 2021 beim Präsidenten der DGP eingereicht werden.

Die Ausschreibung richtet sich an Personen, Gruppierungen oder Institutionen, die sich in besonderer Weise um die Qualitätsentwicklung der ambulanten Palliativversorgung verdient gemacht haben. Anerkennungs- und Förderpreis bedeutet, dass bereits geleistetes Engagement anerkannt und gleichzeitig eine zukünftige Weiterführung gefördert wird.

Die eingereichten Projekte sollten einen wesentlichen Beitrag zur ambulanten Palliativversorgung darstellen und über den eigenen Bereich hinaus wirken. Der entsprechende Nachweis muss durch Forschungs- und Projektbeschreibungen, Fachgutachten bzw. entsprechende Publikationen erfolgen. Arbeiten können von allen in der Palliativversorgung tätigen Berufsgruppen eingereicht werden.

Anträge für den Preis gehen an den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Aachener Str. 5, 10713 Berlin, E-Mail: dgp@dgpalliativmedizin.de. Der Eingang wird den Bewerberinnen und Bewerbern innerhalb von vier Wochen bestätigt. Telefonisch ist die DGP-Geschäftsstelle zu erreichen unter 030 - 30 10 1000.

Die prämierten Arbeiten werden im Rahmen des 4. Mitgliedertags der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin am 24. & 25. September 2021 in Berlin ausgezeichnet. Ein Bericht über die Arbeiten ist für die Zeitschrift für Palliativmedizin vorgesehen. Die Statuten des Förderpreises und weitere Informationen finden Sie hier:

ANERKENNUNGS- UND FÖRDERPREIS AMBULANTE PALLIATIVVERSORGUNG

PRESSEMITTEILUNG

Krankenhausteams am Limit: "Wir überbringen Sterbenden letzte Nachrichten ihrer Familien"

Enge Kooperation zwischen Intensiv- und Palliativmedizin essentiell für Covid-19-Erkrankte, Angehörige und Mitarbeitende / Aufgaben der Palliativversorgung erheblich ausgeweitet / Was hilft: Solidarität & Flexibilität

Berlin, 21.12.20. „Die Covid-Erkrankten sind in den Kliniken auf die gemeinsame und vernetzte Versorgung aus Pneumologie, Intensivmedizin und Palliativmedizin angewiesen. Wir müssen derzeit damit leben, dass viele Menschen sterben. Unser Augenmerk muss aber trotz aller Belastung darauf liegen, wie sie sterben!“ erläutert Dr. Wiebke Nehls, Oberärztin der Lungenklinik Heckeshorn in Berlin und Bereichsleitung Palliativmedizin sowie Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP).

„Der Aufgabenbereich in der Palliativmedizin ist erheblich größer geworden: Einerseits werden wir dringend auf den COVID-19-Stationen gebraucht, bei den isolierten Patientinnen und Patienten, zum anderen auf den Palliativstationen, in den Altenpflegeheimen, in den Hospizen und bei Schwerstkranken und deren Angehörigen zuhause. All dies unter neuen, veränderten und seit Wochen und Monaten äußerst schwierigen Bedingungen!“ so Nehls. Durch die Pandemie haben insgesamt deutlich mehr Menschen Unterstützungsbedarf durch Palliativversorgende. Gleichzeitig seien alle Bereiche im Gesundheitswesen durch massive Personalausfälle aufgrund von Erkrankungen oder Quarantäne-Verordnungen gefordert.

Erforderlich: "Notfallpalliativversorgung"

Die COVID-19-Pandemie macht eine „Notfallpalliativversorgung“ erforderlich: Das hohe Aufkommen von Patientinnen und Patienten mit rasch verlaufender palliativer Erkrankung erfordert, so Dipl.-Psych. und Psychoonkologe Urs Münch, Vizepräsident der DGP, flexible Maßnahmen zur psychosozialen und spirituellen Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen wie auch deren Angehörigen: „Kommunikation ist gerade in diesen stressbeladenen und bedrohlichen Notfallsituationen immens wichtig.“

Trotz der gegenwärtigen Rahmenbedingungen, hoher emotionaler Belastung und diverser Engpässe betont DGP-Präsident Prof. Dr. Lukas Radbruch: "Die in der Palliativversorgung tätigen Teams aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften sowie weiteren Berufsgruppen sind nicht nur mit schwerer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer sehr vertraut, sondern haben den Grundgedanken der Kooperation, Koordination und Vernetzung um Patienten und Angehörige herum so verinnerlicht, dass auch unter Krisenbedingungen Brücken gebaut werden." Radbruch unterstreicht jedoch gleichzeitig: „Wir brauchen die Palliativversorgung an den Betten der Covid-Erkrankten, um diese - mit und ohne Intensivtherapie - in ihrem körperlichem und seelischem Leid gemeinsam adäquat zu versorgen und im Sterben so würdevoll wie möglich zu begleiten.“

Unterstützung von belasteten, schwerstkranken, sterbenden und trauernden Menschen

Den unerlässlichen Isolationsmaßnahmen und auch dem oft raschen Verlauf zum Trotz sind gute Möglichkeiten entwickelt worden, um Schwerstkranken und ihren Nächsten Begegnung, Austausch und Teilhabe zu ermöglichen: Da ist die vertraute Stimme am Telefon, die ferne Familie auf dem IPad, da bleiben Fotos, Berichte, Videos, Abschiedsrituale - oft übermittelt über das Team, das alles unternimmt, um die Verbindung zu An- und Zugehörigen zu halten und sie auch in den ersten Schritten der Trauer zu begleiten. Unterstützung dabei geben von der DGP mit herausgegebene „Empfehlungen zur Unterstützung von belasteten, schwerstkranken, sterbenden und trauernden Menschen in der Corona Pandemie aus palliativmedizinischer Perspektive“.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) ist seit einem Dreivierteljahr Teil eines dynamischen nationalen und internationalen Austauschs mit weiteren Fachgesellschaften, Kolleg*innen, Leistungsanbietern, Gesundheitsbehörden und der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik – all dies, so Prof. Dr. Claudia Bausewein, Vorstandsmitglied der DGP, Chefärztin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am LMU Klinikum München sowie Leiterin der dortigen Atemnotambulanz, mit Blick auf die bestmögliche Symptomlinderung und Verbundenheit mit jedem Einzelnen: „Wir müssen als Gesellschaft dringend dafür Sorge tragen, dass auch in der Covid-19-Pandemie kein sterbender Mensch in seiner Angst und Not allein gelassen wird.“

Empfehlungen zu COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) unter Mitarbeit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin finden Sie hier: https://www.dgpalliativmedizin.de/neuigkeiten/empfehlungen-der-dgp.html

 

Anhörung Deutscher Ethikrat: Sterbe- und Selbsttötungswünsche

Vorträge und Diskussionen zur Perspektive der Palliativversorgung im Rahmen der Öffentlichen Anhörung "Phänomenologie der Sterbe- und Selbsttötungswünsche" 17.12.20 (Videoaufzeichnung des Deutschen Ethikrats)


Prof. Dr. Raymond Voltz: Sterbewünsche und Suizidbegehren

 


Prof. Dr. Claudia Bausewein: Suizidalität im Kontext palliativer Versorgung


Diskussion zu den Vorträgen von Prof. Dr. Raymond Voltz und Prof. Dr. Barbara Schneider

 


Diskussion zu den Vorträgen von Prof. Dr. Claudia Bausewein und Prof. Dr. Reinhard Lindner

Radbruch: Beihilfe zum Suizid kein Add-On der Hospiz- und Palliativversorgung / Bausewein im Ethikrat: Breite Schulung im Umgang mit Sterbewünschen dringend notwendig!

Berlin, 17.12.2020. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) bekräftigt anlässlich der heutigen öffentlichen ANHÖRUNG IM DEUTSCHEN ETHIKRAT zur „Phänomenologie der Sterbe- und Selbsttötungswünsche“ ihre kritische Haltung gegenüber der ärztlichen Suizidbeihilfe als Aufgabe der Palliativversorgung: „Es stellt niemand das Recht von Menschen infrage, sich das Leben zu nehmen“ erklärt Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der DGP, „doch bleibt es elementare Aufgabe der Palliativmedizin, den schwerstkranken Menschen in seiner Not anzunehmen, mit ihm gemeinsam Perspektiven in der krisenhaften Situation zu finden und ihn auf dem Weg zu einer selbstbestimmten Entscheidung zu begleiten.“

Der Arzt oder die Ärztin als Gegenüber, das sich respektvoll mit den Todeswünschen von Patient*innen auseinanderzusetzt, palliativmedizinische Optionen aufzeigt und dicht entlang der erlebten Belastungen kontinuierlich im Gespräch bleibt, kann nicht gleichzeitig für die zweite Option der Suizidassistenz zur Verfügung stehen. „Sollte der Sterbewunsch nach Aufzeigen der multiprofessionellen Angebote der Palliativversorgung und einem ausführlichen Gesprächsprozess in seltenen Fällen weiterhin bestehen bleiben“, so sei es nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nun eine essentielle ethische und gesellschaftliche Aufgabe, in einem zweiten Schritt die Freiverantwortlichkeit, Dauerhaftigkeit und Ernsthaftigkeit des Todeswunsches in angemessener Form zu überprüfen und einen hochqualifizierten und verlässlichen Rahmen für das weitere Vorgehen zu schaffen. „Eine Aufgabe der Hospiz- und Palliativversorgung, ein Add-On, kann die Beihilfe zum Suizid nicht sein!“ so der DGP-Präsident.

Vielmehr warnt die DGP vor der Gefahr einer Normalisierung der Suizidbeihilfe. Nach der höchstrichterlichen Entscheidung vom Februar 2020 ist das Recht auf selbstbestimmtes Sterben nicht auf schwere und unheilbare Krankheitszustände oder bestimmte Lebens- oder Krankheitsphasen beschränkt, sondern in jeder Phase der menschlichen Existenz zu gewährleisten. Deshalb nimmt der Ethikrat heute Aspekte der Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen, im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen und im Kontext palliativer Versorgung sowie die Selbsttötung als Form der Lebensbilanzierung in den Blick.

Zur „Suizidalität im Kontext palliativer Versorgung“ wird Prof. Dr. Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum München, sowie Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der DGP, vortragen. „In der Behandlung von Schwerstkranken ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Patient sagt, dass er so nicht mehr leben möchte.“ Allerdings, so ihre Erfahrung aus Jahrzehnten der Begleitung Sterbender: „In der Regel gelingt es, mit unserem Angebot verschiedener Optionen der Palliativversorgung die Symptome so zu lindern und die Lebensqualität so zu verbessern, dass der Sterbewunsch in den Hintergrund rückt.“

Dringend notwendig sei eine „breite Schulung im Umgang mit Todeswünschen“, so Bausewein, um das Thema zu enttabuisieren und z.B. auch im Pflegeheim Angehörigen zur Seite stehen zu können, die von ihren hochbetagten und vielfältig erkrankten Eltern um Hilfe beim Suizid gebeten werden. „Nur mit einer offenen und den Sterbewunsch akzeptierenden Haltung kann es gelingen, Menschen, die so nicht mehr leben wollen oder können, ein ernsthafter und vertrauenswürdiger Gesprächspartner zu sein.“

PRESSEMITTEILUNG DGP

VORTRÄGE CLAUDIA BAUSEWEIN UND RAYMOND VOLTZ

ANHÖRUNG VIDEOAUFZEICHNUNG GESAMT

 

Zur Vorbereitung von Gesprächen mit Ärztin oder Arzt: Zwei aktuelle Broschüren für Patient*innen und Bevollmächtigte

Gespräche mit Ärztin ArztBevollmächtigteIn dem Forschungsprojekt „Von kurativ zu palliativ“ zur Therapiezieländerung im Krankenhaus führten Forscher und Forscherinnen der Klinik für Palliativmedizin am UKB Universitätsklinikum Bonn Beobachtungsstudien und Interviews  durch.

Im Zeitraum von 2018 bis 2020 begleiteten und befragten sie Patientinnen und Patienten, Angehörige und Mitarbeitende auf einer onkologischen und einer geriatrischen Station eines Krankenhauses in Bonn.

In diesem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekt zeigten sich bei allen Gruppen unterschiedliche Einschätzungen in Bezug auf den Übergang von kurativ zu palliativ und die Notwendigkeit zum intensiven Dialog über Krankheitsverläufe, Behandlungsmöglichkeiten und Palliativversorgung.

Vor diesem Hintergrund wurden in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zwei Broschüren entwickelt und herausgegeben, um Patient*innen und Angehörige wie auch Bevollmächtigte und gesetzliche Vertreter*innen bei ihren Gesprächen mit Ärzt*innen zu unterstützen. Die Broschüren stehen online zur Verfügung, ab Jahresbeginn auch als Druckexemplare.

GESPRÄCHE MIT IHRER ÄRZTIN ODER IHREM ARZT IM KRANKENHAUS
Eine Broschüre für Patient*innen mit einer schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung

GESPRÄCHE MIT DER ÄRZTIN ODER DEM ARZT IM KRANKENHAUS
Eine Broschüre für Bevollmächtigte und gesetzliche Vertreter*innen von Patient*innen mit einer schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung

WAT 2021: Programm veröffentlicht, Anmeldung freigeschaltet & Abstracteinreichung verlängert

FINAL DGP Logo WAT 2021 v2bHeute wurde das Programm für die 7. Wissenschaftlichen Arbeitstage der DGP zum Thema „Gemeinsam forschen – Grenzen überwinden – Digitale Herausforderung für die Qualität der Forschung" am 12. & 13. März 2021 veröffentlicht, ab sofort ist auch die Anmeldung möglich. Die Teilnahmegebühren für die Online-Veranstaltung betragen 39 Euro inklusive „Meet the Expert“ und Workshop. Begleitend ist eine e-Posterausstellung vorgesehen. Livechat und „Video-Wortmeldung“ während der Sitzungen sowie in den Pausen gewährleisten die Interaktion mit den Teilnehmenden.

Die Zertifizierung der digitalen WAT ist bei der Landesärztekammer Berlin eingereicht, die Veranstaltung ist ebenfalls für beruflich Pflegende angemeldet.

Bitte beachten: Die Deadline zur Einreichung von Abstracts war Montag, der 4. Januar 2021.

WAT 2021

ABSTRACTEINREICHUNG

PROGRAMM

ANMELDUNG

 

Heute veröffentlicht: Empfehlungen für psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen für Eltern und erwachsene Kinder

belastungen 2In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin wurde heute die Broschüre „Zum Umgang mit Belastungen am Lebensende – Empfehlungen für psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen für Eltern und erwachsene Kinder“ der Projektgruppe Dy@EoL am Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover online veröffentlicht.

Im Vorwort schreiben die Herausgeber*innen Dr. phil. Franziska A. Herbst, Laura Gawinski, Prof. Dr. rer. medic. Stephanie Stiel und Prof. Dr. med. Nils Schneider: „Die vorliegende Handlungsempfehlung bietet einen wissenschaftlich fundierten Ansatz zur praxisnahen psychosozialen Unterstützung für (1) schwerstkranke erwachsene Kinder und deren Eltern(teile) und (2) schwerstkranke Eltern(teile) und deren erwachsene Kinder.“ Die Empfehlungen wurden auf Grundlage der empirischen Daten – erhoben innerhalb des Projekts „Dy@EoL – Interaktion am Lebensende in Dyaden von Eltern und erwachsenen Kindern“ – formuliert und richten sich an professionell und ehrenamtlich Mitarbeitende in der stationären und ambulanten Hospiz- und Palliativversorgung.

Die Broschüre steht online zur Verfügung und wird als Druckexemplar der ersten Ausgabe der Zeitschrift für Palliativmedizin im neuen Jahr beigefügt.

ZUM UMGANG MIT BELASTUNGEN AM LEBENSENDE

ARD-Ausstrahlung "GOTT": Offener Brief aus Palliativmedizin & Suizidprävention an Ferdinand von Schirach

Im ARD-Gemeinschaftsprogramm Das Erste wird am Montag, 23.11., der Spielfilm „GOTT von Ferdinand von Schirach“ ausgestrahlt: Ein fiktionaler Ethikrat diskutiert das Anliegen eines 78-jährigen gesunden Mannes, der sein Leben beenden will. Nach dem Film unter den Überschriften „Unter welchen Umständen darf man einem Menschen helfen, sich das Leben zu nehmen? Muss der Staat selbstbestimmtes Sterben ermöglichen?“ sind die Zuschauer*innen zu einer Live-Abstimmung aufgefordert, deren Ergebnis im Rahmen des Magazins „hart aber fair“ bekanntgegeben und erörtert wird.

Die Unterzeichner*innen eines offenen Briefes an Ferdinand von Schirach aus Palliativmedizin, Suizidologie und Psychiatrie/Psychologie begrüßen die mittels des Buches, Theaterstücks und Films geförderte öffentliche Debatte sehr. Sie möchten diesen Diskurs jedoch zum Anlass nehmen, wissenschaftliche Erkenntnisse aus Suizidprävention und Palliativmedizin in die Diskussion ergänzend einzubringen: „In einem Spiegel-Interview vom Frühjahr diesen Jahres sagten Sie, alle Argumente seien in dem Stück genannt. Dem möchten wir widersprechen. Die handelnden Personen entsprechen zum Teil einem Zerrbild und auch die Fakten entsprechen zum Teil nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Auch fehlen die Positionen der modernen Suizidprävention." 

Weiter heißt es: "Darüber hinaus entsprechen weite Teile der Diskussion nicht der eigentlichen Frage. Sie lautet nicht: Gibt es ein Recht auf einen Suizid? Sie lautet: Gibt es einen Rechtsanspruch auf einen assistierten Suizid?“

Das Thema bewegt viele Menschen. Dies betrifft besonders auch Angehörige und alle, die in ihrem beruflichen Umfeld mit suizidalen Menschen zu tun haben. Denn nur mit einer offenen und den Sterbewunsch akzeptierenden Haltung kann es gelingen, mit Menschen, die so nicht mehr leben wollen oder können, in ein ernsthaftes Gespräch zu kommen.

OFFENER BRIEF SUIZIDPRÄVENTION PALLIATIVMEDIZIN

FAZ: KRITIK AN VON SCHIRACHS "GOTT"

Reaktionen auf den offenen Brief:

REPLIK AUF OFFENEN BRIEF AN FERDINAND VON SCHIRACH

FAZ: STREIT UM SCHIRACHS "GOTT": MEDIZINER GEGEN MEDIZINER

 

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