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Schwerstkranke mit einem Sterbewunsch müssen sich bis zum letzten Moment auf eine palliativmedizinische Behandlung verlassen können

Berlin / 25.02.2020 Zur für morgen erwarteten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum § 217 StGB hofft Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) „auf Klarstellung zum rechtlichen Spielraum für Ärztinnen und Ärzten in der Begleitung lebenslimitierend erkrankter Patienten mit einem Sterbewunsch.“ Radbruch betont: „Viele Menschen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben, zum Beispiel mit dem Abbruch oder dem Verzicht von lebenserhaltenden Behandlungsmaßnahmen. Selbst eine künstliche Beatmung muss nach geltendem Recht beendet werden, wenn der betroffene Patient dies wünscht. Wir brauchen deshalb mehr Informationen über die bestehenden Möglichkeiten, keine offene Tür für geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid.“

An erster Stelle: Achtung des Patientenwillens

Die DGP weiter: In der Palliativversorgung muss die Bitte um Beihilfe zum Suizid ernst genommen und respektiert werden. Es ist wichtig, mit dem Patienten über seine Wünsche und Ängste zu sprechen und alternative Optionen zur Leidensminderung aufzuzeigen. Dazu gehört eine umfassende Aufklärung über Möglichkeiten der Schmerz- und Symptomkontrolle, über Verzicht oder Beendigung von lebenserhaltenden Behandlungsmaßnahmen, unter Umständen auch über die Option der palliativen Sedierung sowie den freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken. Zum sogenannten Sterbefasten hatte die DGP erst kürzlich Position bezogen: „Die Achtung des Patientenwillens hört nicht beim freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken auf!“

In einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom Sommer 2019 war die Bedeutung und Verbindlichkeit des Patientenwillens noch einmal hervorgehoben worden: Dies durch den Freispruch zweier Ärzte, welche nicht in den Sterbeprozess ihrer Patienten eingegriffen hatten, da diese zuvor unmissverständlich lebenserhaltende Behandlungen abgelehnt hatten. Ähnliche Sicherheit in der palliativmedizinischen Begleitung von Schwerstkranken – auch bei geäußertem Sterbewunsch – erhofft sich die DGP vom morgigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

Durchaus zeitgleich: Wunsch zu sterben und zu leben

Ärztinnen und Ärzte müssen sich ebenso wie andere an der Patientenversorgung beteiligte Berufsgrup-pen respekt- und verantwortungsvoll mit Sterbewünschen auseinandersetzen. Bei Schwerstkranken, welche den Wunsch nach Beistand beim Suizid äußern, gilt es zunächst die Ursachen und Hintergründe genau zu eruieren. Urs Münch, Vizepräsident der DGP, Psychoonkologe und Psychologischer Psychotherapeut, unterstreicht: „Ein Mensch, der einen Sterbewunsch äußert, kann durchaus gleichzeitig auf einen alternativen Ausweg aus der für ihn unerträglichen Situation hoffen.“ Forschung mit schwer kranken Menschen hat diese doppelte Bewusstheit (double awareness) von Todes- und Lebenswunsch deutlich gezeigt. Palliativmediziner wissen, wie oft der Wunsch, nicht mehr leben zu wollen, vor allem ein Wunsch ist, „so“ nicht mehr leben zu wollen. Lukas Radbruch: „Die häufigste Begründung für einen Sterbewunsch, die ich höre, ist, niemandem zur Last fallen zu wollen.“

Deshalb sind vorrangig alle Optionen zur Linderung des Leidempfindens anzubieten. Hierzu gehören insbesondere palliativmedizinische, psychosoziale und seelsorgerische Angebote sowie Optionen der Therapiebegrenzung oder -beendigung bzw. – im Falle einer entsprechenden Indikation – auch der palliativen Sedierung oder der Begleitung beim freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken. Bei Zustimmung der Betroffenen sollten das engere soziale Umfeld und andere an der Versorgung beteiligte Personen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.

Mitwirkung am Suizid gehört nicht zu ärztlichen Aufgaben

Radbruch: „In diesen komplexen Situationen können ethische Fallkonferenzen eine Hilfe sein, welche in allen Krankenhäusern, aber noch dringender im Bereich der ambulanten Versorgung zu etablieren und finanzieren sind.“ Von entscheidender Bedeutung ist, dass der geäußerte Sterbewunsch freiverantwortlich jenseits einer psychischen Erkrankung oder äußeren Drucks getroffen wurde.

Gleichzeitig betont die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: „Unabhängig von der moralischen und ethischen Bewertung eines Suizids und der Bereitschaft, darüber offen und ohne Tabus zu sprechen, gehört die Mitwirkung daran nicht zu den ärztlichen Aufgaben. Der Suizid ist auch keine vom Arzt oder anderen Mitgliedern eines Behandlungsteams zu empfehlende Option.“

PRESSEMITTEILUNG

DGP: „Ob §217 StGB bestehen bleibt, geändert oder gekippt wird: Wie wir mit dem Sterbewunsch eines schwerkranken Menschen umgehen, kennzeichnet unsere Gesellschaft!“

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin zur mit Spannung erwarteten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe - Breite Diskussion über Rahmenbedingungen am Lebensende unabdingbar - Tabufreie Gespräche brauchen ihren Platz

DGP: „Ob §217 StGB bestehen bleibt, geändert oder gekippt wird: Wie wir mit dem Sterbewunsch eines schwerkranken Menschen umgehen, kennzeichnet unsere Gesellschaft!“

Berlin/20.02.20. Zur mit Spannung für den 26. Februar erwarteten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe betont Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP): „Unabhängig davon, ob der §217 StGB bestehen bleibt, geändert oder gekippt wird: Wie wir mit dem Sterbewunsch eines schwerkranken Menschen umgehen, sagt sehr viel über uns als Gesellschaft!“ Den Sterbewunsch zu respektieren, mit auszuhalten und offen darüber zu sprechen, verlange eine tabufreie Annäherung. Gleichzeitig gelte: „Die Äußerung eines Sterbewunsches als konkrete Handlungsaufforderung zu verstehen, ist viel zu kurz gegriffen!“

Mit schwerstkranken und alten Menschen offen über ihre Ängste sprechen

Die gegenwärtige Debatte unterstreiche vielmehr die immense Verantwortung unserer Gesellschaft, schwerstkranken und alten Menschen zu ermöglichen, bei Bedarf frühzeitig und unumwunden über die Gestaltung ihrer letzten Lebensphase sprechen zu können und ihnen einen Rahmen für die Beantwortung drängender Fragen zu bieten: „Wo möchte ich wie versorgt werden? Wie will und kann ich mein Lebensende gestalten? Welche Behandlungen lehne ich ab? Mit wem kann ich über mein Lebensende sprechen?“

Die Äußerung eines Sterbewunsches sei laut Radbruch, welcher als Sachverständiger zur Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts über § 217 StGB im April 2019 geladen war und an der Urteilsverkündung in Karlsruhe teilnehmen wird, oftmals ein Hilferuf oder drücke das Anliegen aus, über das Leiden unter einer unerträglichen Situation und die persönliche Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit zu sprechen. Ein vertrauensvoller Gesprächsprozess über den Wunsch zu sterben sorge für Entlastung und eröffne nach Erfahrung der DGP – mit 6.000 in der Palliativversorgung tätigen Mitgliedern – fast immer auch Perspektiven zum Umgang mit den Belastungen.

Palliativmedizin kann fast immer schwere Belastungen ausreichend lindern

Radbruch: „Als Palliativmediziner haben wir viel praktische Erfahrung im Umgang mit Todeswünschen und erleben fast nie, dass Schmerzen oder Luftnot oder anderes Leid nicht ausreichend gelindert werden können.“ Auszuloten seien Optionen zur Linderung und Minderung körperlicher Symptome und psychosozialer Nöte ebenso wie Verzicht auf oder Beendigung von lebenserhaltenden Behandlungsmaßnahmen. Als ultima ratio können mit der palliativen Sedierung Patienten, bei denen eine ausreichende Linderung des Leidens nicht oder nicht schnell genug möglich ist, in einen künstlichen Dauerschlaf versetzt werden. Zudem steht es schwerstkranken Menschen frei, freiwillig auf Essen und Trinken zu verzichten – mit angemessener Begleitung kann sichergestellt werden, dass dies ohne Hunger und Durstgefühl geschehen kann.

Besonders alte und hochaltrige mehrfach schwersterkrankte Menschen müssen offen über ihre Sterbewünsche sprechen können, ohne befürchten zu müssen, fortan vor allem hinsichtlich einer Suizidprävention betrachtet und behandelt zu werden. „Das ist nach wie vor ein Tabu in unserer Gesellschaft“, so Dipl.-Psych. Urs Münch, Vizepräsident der DGP: „Für enge Vertraute wie für professionell Behandelnde ist schwer zu ertragen, dass ein schwerkranker Mensch sein Leben so nicht mehr möchte.“ Dies löse verständlicherweise das Bedürfnis aus, das Gegenüber mit allen verfügbaren Mitteln vom Sterbewunsch abbringen zu wollen. Jedoch könne das dessen Not und emotionale Einsamkeit erheblich verstärken und gleichzeitig verhindern, einfach gemeinsam die Hilf- und Hoffnungslosigkeit auszuhalten und Perspektiven in Ruhe auszuloten.

DGP fordert breite gesellschaftliche Diskussion über das Lebensende

Die aktuellen Belastungen allein sind laut Radbruch selten die Auslöser für einen Sterbewunsch. In der Regel ist es die Angst vor belastenden Symptomen in der Zukunft, welche den Wunsch verstärkt, über das Ende des eigenen Lebens selbst entscheiden zu können, um nicht leiden oder anderen Menschen zur Last fallen zu müssen.

Statt mehr Spielraum für Sterbehilfeorganisationen hält die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin eine breite gesellschaftliche Diskussion über Rahmenbedingungen am Lebensende in Pflegeheimen, Krankenhäusern und im häuslichen Umfeld für dringend erforderlich. Diese geht weit über das Recht des Einzelnen auf eine adäquate Hospiz- und Palliativversorgung hinaus. Mit dem Konsensusprozess zur „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ hat die DGP bereits vor zehn Jahren gemeinsam mit der Bundesärztekammer und dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband begonnen, gesellschaftliche Tabus zu Sterben, Tod und Trauer infrage zu stellen.

KONTAKT / INTERVIEWWÜNSCHE

Karin Dlubis-Mertens, Presse-/Öffentlichkeitsarbeit, E-Mail: redaktion@palliativmedizin.de, Tel: 030 / 30 10 100 13

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zum freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken, 16.10.2019 https://www.dgpalliativmedizin.de/category/167-stellungnahmen-2019.html?download=953

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vom 12.03.2019 im Vorfeld der mündlichen Verhandlung des 2. Senats des Bundesverfassungsgerichts am 16. und 17. April 2019 in Sachen § 217 StGB (geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung) zu den Verfassungsbeschwerdeverfahren 2 BvR 651/16, 2 BvR 1261/16, 2 BvR 2347/15, 2 BvR 1593/16, 2 BvR 2354/16, 2 BvR 2527/16
https://www.dgpalliativmedizin.de/phocadownload/DGP%20Stellungnahme%20Verhandlung%20BVerfG%20120319.pdf

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vom 14.02.2019 zum Antrag der Abgeordneten Katrin Helling-Plahr, Stephan Thomae, Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP „Rechtssicherheit für schwer und unheilbar Erkrankte in einer extremen Notlage schaffen“
https://www.dgpalliativmedizin.de/phocadownload/stellungnahmen/DGP_Stellungnahme_Rechtssicherheit_fr_schwer_und_unheilbar_Erkrankte_130202019.pdf

Tolmein O, Simon A, Ostgathe C, Alt-Epping B, Melching H, Radbruch L et al: Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung. Balanceakt in der Palliativmedizin. Deutsches Ärzteblatt 2017; 114: A 302-307.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/186377/Verbot-der-geschaeftsmaessigen-Foerderung-der-Selbsttoetung-Balanceakt-in-der-Palliativmedizin

Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§ 217 StGB): Hinweise und Erläuterungen für die ärztliche Praxis. Bekanntmachung der Bundesärztekammer. Deutsches Ärzteblatt 2017; 114: A 334 – 336.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/186360/Verbot-der-geschaeftsmaessigen-Foerderung-der-Selbsttoetung-

Nauck F, Ostgathe C, Radbruch L: Ärztlich assistierter Suizid: Hilfe beim Sterben – keine Hilfe zum Sterben. Deutsches Ärzteblatt 2014; 111: A 67-71.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/152921

Jansky M, Jaspers B, Radbruch L, Nauck F: Einstellungen zu und Erfahrungen mit ärztlich assistiertem Suizid. Eine Umfrage unter Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Bundesgesundheitsbl 2017, 60: 89- 98.
https://www.springermedizin.de/einstellungen-zu-und-erfahrungen-mit-aerztlich-assistiertem-suiz/11096338

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP) steht seit ihrer Gründung am 2. Juli 1994 für die interdisziplinäre und multiprofessionelle Vernetzung: Mehr als 6.000 Mitglieder aus Medizin, Pflege und weiteren Berufsgruppen engagieren sich in der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für eine umfassende Palliativ- und Hospizversorgung in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Die Palliativmedizin konzentriert sich auf die bestmögliche medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Behandlung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer An- und Zugehörigen. www.palliativmedizin.de

PRESSEMITTEILUNG

Palliativmedizin wichtiges Thema beim 34. Deutschen Krebskongress in Berlin - DGP freut sich auf interessierte Besucher/innen

Prof. Dr. Bernd O. MaierProf. Dr. Claudia BauseweinDer Themenblock Palliativmedizin beim 34. Deutschen Krebskongress (DKK 2020) in Berlin startet heute mit einer Plenarsitzung zur Palliativ- und Supportivtherapie, die von DGP-Vizepräsident Dr. Bernd-Oliver Maier, Chefarzt der Klinik für Onkologie und Palliativmedizin am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden, mit dem Thema „Palliativtherapie: Grundsätze und Versorgungsstrukturen sowie Wege zur frühen Integration von Palliativversorgung“ und von DGP-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am LMU Klinikum München, mit einem Vortrag zu „Supportivtherapie: Problemfall Prognoseabschätzung“ eingeleitet werden.

DKK 3Ausgewählte Veranstaltungen zum Thema Palliativmedizin finden an allen drei Tagen des 34. Deutschen Krebskongress in Berlin statt. Insgesamt werden mehr als 10.000 Teilnehmende zum DKK 2020 erwartet.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin ist mit einem Stand auf dem DKK vertreten und freut sich insbesondere auf Begegnungen mit Betroffenen, Angehörigen und Interessierten am 9. Krebsaktionstag am Samstag, 22. Februar.

PLENARSITZUNG PALLIATIV/SUPPORTIVTHERAPIE

PROF BAUSEWEIN IM DKG VIDEO ZU PALLIATIVVERSORGUNG

PROBLEMFALL PROGNOSE

PALLIATIVMEDIZIN BEIM DEUTSCHEN KREBSKONGRESS

34. DEUTSCHER KREBSKONGRESS

Dialogforum im Bundesfamilienministerium zur Betreuung unheilbar erkrankter Kinder und ihrer Familien

dialogforumWie sieht die stationäre und ambulante Betreuung unheilbar erkrankter Kinder und ihrer Familien aus, welche Verbesserungen braucht es in der Kinder- und Jugendhospizarbeit? Anlässlich des Tages der Kinderhospizarbeit diskutierten rund 70 Fachleute diese Fragen bei einem DIALOGFORUM im Bundesfamilienministerium.

Auch in der "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland", welche 2020 ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, gibt es ein eigenes Handlungsfeld, das die Bedürfnisse schwerstkranker junger Menschen in den Fokus nimmt. Das Bundesfamilienministerium fördert zur Umsetzung der Charta-Handlungsempfehlungen die Koordinierungs- und Vernetzungsstelle für Hospiz-und Palliativversorgung.

KOORDINIERUNGSSTELLE HOSPIZ UND PALLIATIVVERSORGUNG

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin nimmt Stellung zu "unerträglicher Botschaft" einer derzeitigen Werbekampagne

„Du bestimmst, wie viel ein Mensch wert ist“ – mit diesem Satz wirbt der Sender SAT 1 derzeit u.a. auf großflächigen Plakaten für eine Reality-Show. Da liest man auch: „Neu im Programm: Menschen bewerten“, „Entscheide du, wer einen Stern verdient“ oder „Wie viel ist ein Mensch wert? Es liegt in deiner Hand.“ Auf diese der Quote dienende, kalkuliert provokativ „geschichtsvergessene“ Werbekampagne, die u.a. die Vergabe gelber Sterne promotet, gab es nachvollziehbarerweise bereits eine Reihe von Reaktionen.

„Die Botschaft der Kampagne ist unerträglich. Jeder Mensch ist wertvoll, egal ob stark oder schwach, gesund oder krank. Unlauter, ohne Anstand und in zynischer Weise wird hier analog zur Zufriedenheit mit Produkten und Angeboten ein Bewertungssystem propagiert, das Personen die Macht zuspricht und sie explizit dazu auffordert, den Wert eines anderen Menschen zu bestimmen.“ betont der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Prof. Dr. Lukas Radbruch. Auch wenn dies „nur“ im Rahmen einer Unterhaltungssendung stattfände: Die Fachgesellschaft appelliert an die Verantwortlichen, nicht auf billige Werbeeffekte zu setzen, sondern sich ihrer Verantwortung für den Umgang mit Sprache und damit lancierter Botschaften bewusst zu sein.

Radbruch: „Wir haben Tag für Tag mit schwerstkranken Menschen zu tun und tun alles dafür, dass sie sich und ihr Leben bis zur letzten Sekunde als wertvoll erleben können.“

Drei Fachgesellschaften - eine Taskforce: Im Zentrum steht die Verbesserung der Versorgung von psychiatrisch erkrankten Patienten in der letzten Lebensphase

Die ÄrzteZeitung schreibt heute: "Die Einrichtung einer Taskforce signalisiert: Es besteht Handlungsbedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde sowie die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie haben eine solche Spezial-Arbeitsgruppe eingerichtet, um die Schnittstellen zwischen ihren beiden Fachgebieten zu beleuchten und Ansätze zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen in der letzten Lebensphase zu verbessern."

Zitiert wird DGP-Vizepräsident und Taskforce-Mitglied Urs Münch, psychologischer Psychotherapeut und Psychoonkologe: „In der Palliativmedizin sind die onkologischen Patienten nach wie vor das Hauptthema“ und weiter: „Wir haben die Situation, dass in der Palliativversorgung selbst das Wissen um psychiatrische Erkrankungen und den Umgang mit den Erkrankten nicht sehr ausgeprägt ist."

ÄRZTEZEITUNG

 

 

Berliner Senat verleiht erste Zertifikate an rund 60 Demenz- und Palliativbeauftragte aus 23 Krankenhäusern - DGP maßgeblich an Kurskonzeption und Schulung beteiligt

hm dmHeiner Melching (links), Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, und Dirk Müller, Fachgesellschaft Palliative Geriatrie, freuen sich über die gelungene Kooperation bei der Fortbildung zum "Demenz- und Palliativbeauftragten". © DGP/SKDie Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) freut sich, dass heute die ersten rund 60 "Demenz- und Palliativbeauftragten" aus 23 Berliner Krankenhäusern ihre Zertifikate von Frau Dr. Juliane Nachtmann, Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, überreicht bekamen. Die Verleihung bildete für die Teilnehmenden den Abschluss einer jeweils 40 Stunden umfassenden Fortbildung zum Thema Demenz- und Palliativbeauftragte im Krankenhaus.

Die DGP hatte von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Berlin den Auftrag erhalten, ein Kurskonzept für die Fortbildung von Palliativbeauftragten zu erarbeiten - dies innerhalb der 80plus-Rahmenstrategie der Berliner Senatsverwaltung, welche insgesamt zwei Module einer Gesamtqualifikation zum „Demenz- und Palliativbeauftragten“ vorsieht.

Das zweite Modul galt allein dem Schwerpunkt „Palliativversorgung im Krankenhaus“ und wurde im Anschluss an das erste Modul zur „Demenzbegleitung im Krankenhaus“ absolviert. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin entwickelte das gesamte Kurskonzept in Kooperation mit der Fachgesellschaft Palliative Geriatrie (FGPG) und der KPG Bildung.

Ziel der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung ist es, die Versorgung von vulnerablen Patient*innengruppen bei einem erforderlichen Krankenhausaufenthalt zu verbessern. So heißt es in der Kursbeschreibung: „Es ist davon auszugehen, dass Betroffene häufig zu spät oder gar nicht einer qualifizierten palliativen Versorgungsstruktur zugeleitet werden.“

Ab sofort könnten die ersten Fachkräfte nach dieser Zusatzqualifikation in Berliner Krankenhäusern als Demenz- und Palliativbeauftragte eingesetzt werden.

Finales Programm für 7. Wissenschaftliche Arbeitstage am 13./14. März in Göttingen

Heute wurde das um die Abstract-Vorträge ergänzte finale Programm für die 7. Wissenschaftlichen Arbeitstage der DGP am 13./14. März 2020 veröffentlicht! Zum Thema „Gemeinsam forschen in der Palliativversorgung – Qualität und Methodik als Herausforderungen" laden die AG Forschung der DGP und das Palliativzentrum der Universitätsmedizin Göttingen herzlich ein. Ein spannendes Programm verschiedener Formate erwartet die Teilnehmer/innen unterschiedlicher Berufsgruppen und Disziplinen - dies mit dem Ziel, Erkenntnisse für das eigene wissenschaftliche Arbeiten zu gewinnen und diese mit Experten zu diskutieren. Melden Sie sich gern bald an!
Programm / Anmeldung / Hotelempfehlungen

 

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin schreibt Anerkennungs- und Förderpreis für „Ambulante Palliativversorgung“ aus

Berlin/Aachen, Januar 2020. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) verleiht in diesem Jahr zum dreizehnten Mal den mit 10.000 € dotierten „Anerkennungs- und Förderpreis für Ambulante Palliativversorgung“. Stifter ist die Grünenthal GmbH. Anträge für den Preis können bis zum 31. März 2020 beim Präsidenten der DGP eingereicht werden.

Die Ausschreibung richtet sich an Personen, Gruppierungen oder Institutionen, die sich in besonderer Weise um die Qualitätsentwicklung der ambulanten Palliativversorgung verdient gemacht haben. Anerkennungs- und Förderpreis bedeutet, dass bereits geleistetes Engagement anerkannt und gleichzeitig eine zukünftige Weiterführung gefördert wird.

Die eingereichten Projekte sollten einen wesentlichen Beitrag zur ambulanten Palliativversorgung darstellen und über den eigenen Bereich hinaus wirken. Der entsprechende Nachweis muss durch Forschungs- und Projektbeschreibungen, Fachgutachten bzw. entsprechende Publikationen erfolgen. Arbeiten können von allen in der Palliativversorgung tätigen Berufsgruppen eingereicht werden.

Anträge für den Preis gehen an den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Aachener Str. 5, 10713 Berlin, E-Mail: dgp@dgpalliativmedizin.de. Der Eingang wird den Bewerberinnen und Bewerbern innerhalb von vier Wochen bestätigt. Telefonisch ist die DGP-Geschäftsstelle zu erreichen unter 030 - 30 10 1000.

Die prämierten Arbeiten werden im Rahmen des DGP-Kongresses vom 9. bis zum 12. September 2020 in Wiesbaden vorgestellt. Ein Bericht über die Arbeiten ist für die Zeitschrift für Palliativmedizin vorgesehen. Zu den Statuten des Förderpreises und weiteren Informationen:

ANERKENNUNGS- UND FÖRDERPREIS AMBULANTE PALLIATIVVERSORGUNG

PRESSEMITTEILUNG

 

Deutscher Studienpreis in Berlin verliehen: Farina Hodiamont freut sich über zweiten Preis für Promotion zur Palliativmedizin

csm Studienpreis 2019 web 0083 c74b92208fBundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat in Berlin als Schirmherr den Deutschen Studienpreis 2019 verliehen, mit einem der sieben zweiten Preise wurde Soziologin Dr. Farina Hodiamont für ihre Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Fach- und Spezialgebiet Palliativmedizin ausgezeichnet. In ihrer Promotion beschäftigt sie sich mit der Komplexität palliativer Versorgungssituationen.

studienpreisDie Sprecherin der DGP-Sektion Geistes- und Sozialwissenschaftliche Berufe freute sich in Berlin sehr über die hohe Auszeichnung der Körber Stiftung in der Sektion Sozialwissenschaften des Deutschen Studienpreises und nahm außerdem gern die Glückwünsche von Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, entgegen.  

Der Deutsche Studienpreis zeichnet jährlich die besten deutschen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aller Fachrichtungen aus. Neben der fachwissenschaftlichen Exzellenz zählt vor allem die spezifische gesellschaftliche Bedeutung der Forschungsbeiträge: Die jungen Wissenschaftler werden dazu ermutigt, den gesellschaftlichen Wert der eigenen Forschungsleistung herauszuheben und sich einer öffentlichen Debatte darüber zu stellen.

Fotos: Gesine Born

WETTBEWERBSBEITRAG F HODIAMONT
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