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Forschungsverbund PallPan stellt Nationale Strategie für die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in Pandemiezeiten vor: Abwägung zwischen Schutz und Nähe

PallPanDie Corona-Pandemie hat in vielen Bereichen zu räumlicher Distanz geführt und menschliche Nähe eingeschränkt. Vor allem in der Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen haben die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen dies als sehr schmerzvoll und häufig traumatisierend erlebt. Das bestätigen umfassende Studien des Forschungsverbundes Palliativversorgung in Pandemiezeiten (PallPan). Als Antwort darauf stellt PallPan jetzt die Nationale Strategie für die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in Pandemiezeiten vor. Herzstück bilden konkrete Handlungsempfehlungen, wie im Falle künftiger Pandemien insbesondere Nähe am Lebensende ermöglicht werden kann.

Der Forschungsverbund PallPan des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin zu Covid-19, Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) besteht aus palliativmedizinischen Einrichtungen von 13 Universitätsklinken und widmet sich den Erfahrungen, Belastungen und Herausforderungen in der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen in der aktuellen Pandemie. In 16 Studien wurden innerhalb von 9 Monaten über 1.700 Betroffene, Versorgende und Verantwortliche im Gesundheitssystem und in der Politik nach ihren Erfahrungen gefragt und deren Aussagen systematisch untersucht und ausgewertet. Auf Basis dieser Ergebnisse und mit Hilfe von 120 Expert*innen aus den verschiedenen Bereichen von Gesundheitswesen, Verwaltung und Politik wurde dann die Nationale Strategie für die Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in Pandemiezeiten entwickelt und konsentiert.

33 Handlungsempfehlungen

Kernstück der Strategie sind 33 konkrete Handlungsempfehlungen, die sich in drei Abschnitte gliedern: Patient*innen & Angehörige unterstützen, Mitarbeitende unterstützen und Strukturen und Angebote der Palliativversorgung unterstützen und aufrechterhalten.

Patient*innen und ihre Angehörigen wünschen sich nach den Befragungsergebnissen vor allem eines für die Zukunft: Nähe am Lebensende auch in einer Pandemie zu ermöglichen. Hierfür braucht es abgewogene Besuchsregelungen für Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, aber auch einen rechtlichen Rahmen, den die Politik schaffen muss. Einzelfallentscheidungen und klar definierte Ausnahmeregelungen haben sich als eine praktikable und hilfreiche Strategie bewährt und sollten überall genutzt werden.

Mitarbeitende in der Versorgung brauchen vor allem ausreichend Schutz vor Infektionen, aber eben auch grundlegende palliativmedizinische Kenntnisse und psychosoziale Unterstützung in herausfordernden Situationen, z.B. auf der Intensivstation oder Pflegeheimen. „Auch in Pandemiezeiten stehen schwerkranken und sterbenden Menschen eine gute Symptombehandlung und würdevolle Begleitung im Einklang mit dem Patientenwillen zu. Das gilt für Infizierte wie für Nicht-Infizierte. Hier brauchen die Versorgenden in der erhöhten Belastung einer Pandemie mehr Unterstützung,“ betont Prof. Dr. Steffen Simon von der Uniklinik Köln und einer der beiden Koordinatoren des PallPan-Verbundes.

Von Seiten der Politik sowie der Kliniken und Pflegeeinrichtungen muss darauf geachtet werden, dass die Palliativversorgungsstrukturen auch und gerade in einer Pandemiesituation aufrecht erhalten bleiben. „Palliativstationen dürfen in einer Pandemie nicht geschlossen werden, vielmehr sollten die ambulanten und stationären palliativmedizinischen Dienste für die notwendige Versorgung von schwerkranken und sterbenden Patient*innen arbeitsfähig bleiben und ggf. angepasst oder sogar erweitert werden, z.B. für Infizierte, die nicht mehr geheilt werden können,“ appelliert Prof. Dr. Claudia Bausewein vom LMU Klinikum München, ebenfalls Koordinatorin des PallPan-Verbundes und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP).

Link zur PDF: https://doi.org/10.5281/zenodo.5012504

Informationsplattform und Trauerangebote

Nach Veröffentlichung der Handlungsempfehlungen Ende Juni plant der PallPan-Verbund schon weitere Vorhaben: den Aufbau einer webbasierten Informationsplattform, die Entwicklung von Unterstützungsmaterialien für trauernde Angehörige sowie Mitarbeitende in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, die Integration von PallPan in eine „Nationale Pandemic Preparedness“ für das deutsche Gesundheitswesen sowie die stetige Weiterentwicklung der Handlungsempfehlungen.

Der Forschungsverbund PallPan wird als Teil des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) vom BMBF gefördert. Dem Forschungsverbund gehören die palliativmedizinischen Einrichtungen der Universitätsklinika an den Standorten Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erlangen, Freiburg, Göttingen, Hamburg, Hannover, Jena, Köln, München, Rostock und Würzburg an. Die koordinierende Gesamtleitung haben Prof. Dr. med. Claudia Bausewein vom LMU Klinikum München und Prof. Dr. Steffen Simon von der Uniklinik Köln.

Das PallPan-Konsortium lädt zu einer virtuellen Abschlusskonferenz ein, in der die Nationale Strategie vorgestellt wird. (pall.pandemie@med.uni-muenchen.de)

Termin: 24.06.2021, 14:00 – 17:30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Einwahllink (Kenncode: 562238): https://lmu-munich.zoom.us/j/95257337713?pwd=TW5Ib1BnYmNVWFBEMUEvTksrTk95QT09

Kontakt für Journalistinnen und Journalisten:

Prof. Dr. Claudia Bausewein, LMU Klinikum München, claudia.bausewein@med.uni-muenchen.de
Prof. Dr. Steffen Simon, Uniklinik Köln, steffen.simon@uk-koeln.de

Nationales Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19

Patienten optimal versorgen, Infektionen verhindern, Gesundheitsversorgung erhalten: Die Covid-19-Pandemie bringt Herausforderungen mit sich, die innerhalb kurzer Zeit neue Handlungsstrategien erfordern. Das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19, kurz Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), bündelt und stärkt Forschungsaktivitäten zur Bewältigung der aktuellen Lage. Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, koordiniert durch die Charité – Universitätsmedizin Berlin, arbeitet das Forschungsnetzwerk unter Beteiligung aller deutschen Universitätsklinika und weiterer Netzwerke an Lösungen für eine bestmögliche Patientenversorgung in der Pandemie. 13 umfängliche Verbundprojekte mit Leitungen an den verschiedenen Standorten der Universitätsmedizin sind hierfür konzipiert worden. Das Programm ist auf schnelle, unmittelbare Unterstützungswirkungen ausgerichtet. Ein Akzent liegt auf der kliniknahen Forschung und Versorgungsforschung, deren Ergebnisse gemäß dem translationalen Ansatz direkt in Versorgung und Krisenmanagement einfließen. Dem Forschungsnetzwerk und den beteiligten Einrichtungen stehen zur Umsetzung dieser Aufgabe rund 150 Millionen Euro im ersten Jahr bereit, ab 2021 soll das Netzwerk bis zum Jahr 2024 mit weiteren 80 Millionen Euro jährlich bzw. zusätzlichen 240 Millionen Euro gefördert werden. Die gemeinsamen Entwicklungen in Forschung und Patientenversorgung, evidenzbasiertes Vorgehen sowie gegenseitiges Lernen sollen zu einem gemeinsamen Vorgehen bei der Pandemiebekämpfung und einer „Pandemic Preparedness“ führen. Weitere Informationen: www.netzwerk-universitaetsmedizin.de

PRESSEINFORMATION

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150 Teilnehmende bei DGP-Online-Fachtag „Teilhabe bis zum Lebensende“: Wie lässt sich der Wille von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung im Umgang mit schwerer Krankheit erfassen?

Erneut ist der – in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal stattfindende – Fachtag der AG Menschen mit intellektueller und komplexer Beeinträchtigung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) auf großes Interesse gestoßen: Rund 150 Teilnehmende trafen sich online zu Vorträgen, Workshops und Diskussionen zum Thema „Teilhabe bis zum Lebensende“.

Nach einer Grußbotschaft von DGP-Präsidentin Prof. Dr. Claudia Bausewein an die Mitwirkenden „von Flensburg bis zum Burgenland“ verdeutlichte AG-Sprecher Dr. Dietrich Wördehoff die Bedeutung unterschiedlicher Kommunikationswege zur Erfassung des Willens eines Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung hinsichtlich der Gestaltung seines Lebensendes. Neben der Biographie-Arbeit spielen Texte in einfacher und in leichter Sprache dabei ebenso eine Rolle wie die sensible Wahrnehmung nonverbaler Äußerungen und Verhaltensänderungen oder -reaktionen.

„Das braucht Zeit und viel Geduld“, erklärte Wördehoff, doch trage all dies ebenso wie die Zusammenschau der beteiligten Kräfte in einer Familienkonferenz oder ethischen Fallbesprechung erheblich dazu bei, dem Willen des intellektuell beeinträchtigten Menschen bezüglich des Umgangs mit seiner zusätzlich schweren Erkrankung Gehör zu verschaffen. Dies sei u.a. Voraussetzung für die Dokumentation des Patientenwillens für eine etwaige Notfallsituation.

Die AG Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung der DGP entwickelt und bearbeitet weitere Aspekte zur besseren Versorgung von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigung.

PROGRAMM

BROSCHÜRE TEILHABE BIS ZUM LEBENSENDE

DGP AG MENSCHEN MIT INTELLEKTUELLER BEEINTRÄCHTIGUNG

MITGLIEDSCHAFT IN DER DGP

8. BHPT: DGP Bayern und Bayerischer Hospiz- und PalliativVerband im Austausch mit 170 Teilnehmenden: „Immer noch Corona – Wo ist hier der Ausweg?“

Zum ersten Mal fand am 12. Juni der Bayerische Hospiz- und Palliativtag (BHPT) online statt. Unter dem Titel „Immer noch Corona – Wo ist hier der Ausweg? Hospiz- und Palliativversorgung in Pandemiezeiten“ nahm der 8. BHPT die besonderen Schwierigkeiten auf, vor denen das Gesundheitssystem, die Versorgenden und die Zugehörigen von schwerstkranken und sterbenden Menschen standen. Mit dem BHPT haben die Landesvertretung Bayern der DGP und der Bayerische Hospiz- und PalliativVerband den Blick bewusst nach vorne gerichtet, um Wege im Umgang mit der Pandemie für die Hospiz- und Palliativversorgung in Bayern aufzuzeigen. „Wir sind gefordert, in ähnlichen Situationen zukünftig Konzepte zu haben und damit besser vorbereitet zu sein“, begrüßten Prof. Claudia Bausewein und Timo Grantz die 170 Teilnehmer*innen.

„Insbesondere die Angst, sich selbst und andere anstecken zu können, und die Isolierung von Bewohner*innen und Patient*innen in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern hat die Teilnehmer*innen bewegt. Auch der unterschiedliche Umgang mit der Coronapandemie und die Fremdbestimmtheit haben Sorgen ausgelöst. Neben diesen Ängsten konnte jedoch auch etwas Positives, Erfreuliches entstehen, der Kontakt zur Familie intensiviert und Freiheiten durch die verordnete Ruhe genutzt werden. Besonders überrascht haben die kreativen Lösungsansätze und der schnelle Umstieg auf digitale Angebote“, fasste der Moderator der Veranstaltung, Prof. Christian Rester die Ergebnisse der Workshops zusammen. Prof. Claudia Bausewein stellte aktuelle Forschungsergebnisse im Rahmen der „Nationalen Strategie für Palliativversorgung in Pandemiezeiten“ vor. Wie kann „Pandemic Preparedness“, die Vorbereitung auf zukünftige Pandemiephasen, gelingen und welche wissenschaftlich fundierten Handlungsempfehlungen ergeben sich aus den Erfahrungen der letzten Monate für die Hospiz- und Palliativversorgung?

BHPT 2021

 

Save the date: 14. DGP Kongress vom 28.9. bis 1.10.2022 in Bremen: Website online!

Save the date DGP Kongress 2022Ab sofort können Sie sich unter www.dgp2022.de auf den 14. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) vom 28. September bis zum 1. Oktober 2022 in Bremen einstimmen. Zum Leitmotiv „Palliativversorgung - Segeln hart am Wind“ finden Sie dort auch einen kleinen Film. Herzlich laden Prof. Dr. Anne Letsch, Kiel, Prof. Dr. Christian Junghanß, Rostock, und Prof. Dr. Henrikje Stanze, Bremen, dazu ein, sich auf der neuen Website schon mal ein wenig umzuschauen, regelmäßige Updates folgen. Mit der Veröffentlichung der ersten Programmvorschau im Herbst 2021 startet auch die Anmeldung für den Kongress. #dgp2022

DGP 2022 WEBSITE

DGP 2022 FILM

SAVE THE DATE

Teilhabe bis zum Lebensende: Neue DGP-Broschüre konkretisiert Teilhabeplanung und ihre Umsetzung bei älteren, kranken und pflegebedürftigen Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung

teilhabe 2„Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) fordert heraus. Viele Aspekte der Arbeit für und mit Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung sind neu zu bedenken.“ – so lauten die ersten Zeilen der heute in Herausgeberschaft der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) online erschienenen Broschüre „Teilhabe bis zum Lebensende“.

Ziel dieser umfassenden „Handreichung für die Entwicklung und Darstellung von Leistungen in der Begleitung am Lebensende in der Eingliederungshilfe“ ist es, anhand von konkreten Beispielen aufzuzeigen, wie eine gute Begleitung bei schwerer Krankheit und am Lebensende in der individuellen Teilhabeplanung und in Fachkonzepten der Einrichtungen beschrieben und berücksichtigt werden kann.

Dafür haben die Autorinnen Anna Roemer, Barbara Schroer und Prof. Dr. Sabine Schäper, Institut für Teilhabeforschung der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Münster, gemeinsam mit Mitgliedern der AG „Menschen mit intellektueller und komplexer Beeinträchtigung“ der DGP diverse hilfreiche, praktikable und informative Aspekte zusammengetragen. Mitarbeitenden in unterschiedlichen Wohnformen wie auch rechtlichen Betreuer*innen werden konkrete Ideen vermittelt, welche Assistenzleistungen zur Sicherung der sozialen Teilnahme bei schwerer Erkrankung und am Lebensende notwendig sind. Außerdem steht im Fokus der Veröffentlichung die gezielte Teilhabeplanung und ihre Umsetzung bei älteren, kranken und pflegebedürftigen Bewohner*innen.

„Ziel der Ausführungen in der Broschüre ist es, möglichst allen Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, die sich das wünschen, eine gute Versorgung und Begleitung in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen.“ betonen AG-Sprecherin Barbara Hartmann und AG-Sprecher Dr. Dietrich Wördehoff in ihrem Vorwort.

NEU ERSCHIENEN: HANDREICHUNG TEILHABE BIS ZUM LEBENSENDE

AG MENSCHEN MIT INTELLEKTUELLER UND KOMPLEXER BEEINTRÄCHTIGUNG

 

Update 5.0: Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19 / Leitlinie unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

Am 17. Mai ist die aktuelle Überarbeitung der „Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19 - Living Guideline“ (Version 5.0) erschienen - dies unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI).

In der Berichterstattung hebt die Pharmazeutische Zeitung hervor: „Erstmals ist auch die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin an der Leitlinie beteiligt gewesen. Das Autorenteam hat nun formuliert, welche palliative medikamentöse Behandlung Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen zur Symptombehandlung bei Luftnot (Opioide), Angst (Benzodiazepine), Rasselatmung (Anticholinergika) oder einem Delir (Antipsychotika) erhalten sollen.“

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/113-001LG.html

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/covid-leitlinie-empfiehlt-erstmals-tocilizumab-125691/

Modellprojekt: Für eine bessere Hospiz- und Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen in strukturschwachen Regionen

In Deutschland leben ca. 50.000 Kinder und Jugendliche mit einer lebensverkürzenden oder lebensbedrohlichen Erkrankung. Die Hospiz- und Palliativversorgung für diese Kinder und Jugendlichen ist durch besondere Herausforderungen gekennzeichnet. Dazu zählen u.a. geringe Fallzahlen bei sehr unterschiedlichen Diagnosen, lange Wegezeiten für Versorgende und Familien und nicht zuletzt die Notwendigkeit der Vernetzung und Zusammenarbeit einer Vielzahl von Akteuren in der Versorgung und Betreuung. Beispielsweise im Land Brandenburg ist diese Situation einerseits durch eine gute Versorgungslage geprägt, andererseits bestehen die typischen Herausforderungen eines Flächenlandes und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller an der Versorgung Beteiligten über Bundeslandgrenzen hinweg.

Im gemeinsamen Einsatz für schwerstkranke und sterbende Kinder und Jugendliche

Diese besondere Situation diente beim heutigen Netzwerktreffen zur Implementierung von überregionalen Hospiz- und Palliativnetzwerken in strukturschwachen Regionen als Grundlage für einen interprofessionellen digitalen Austausch. Ziel war es, regionale Netzwerke zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen in strukturschwachen Regionen weiterzuentwickeln. Unter dem Motto „Offen und gemeinsam verbinden wir uns für schwerstkranke und sterbende Kinder und Jugendliche“ haben verschiedene Akteure der Hospiz- und Palliativversorgung aus den Bundesländern Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern einen ersten Grundstein für Kompetenzaustausch, Kommunikation und Koordination gelegt.

Der Parlamentarische Staatssekretär Stefan Zierke vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Abteilungsleiter für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg Michael Zaske haben die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnet. Organisiert und moderiert wurde das digitale Austauschtreffen durch die Koordinierungsstelle für Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland.

Koordinierungsstelle für Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland

Das Projekt Koordinierungsstelle für Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, unterstützt die verbindliche und nachhaltige Umsetzung der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland und ihrer Handlungsempfehlungen im Rahmen einer Nationalen Strategie. Die Träger der Charta sind die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) und die Bundesärztekammer (BÄK).

Kontakt: Koordinierungsstelle für Hospiz- und Palliativevrsorgung in Deutschland, Aachener Str. 5, 10713 Berlin
Tel: 0151/73005339 / Mail: info@koordinierung-hospiz-palliativ.de

PRESSEINFORMATION

DGP begrüßt Beschluss des Deutschen Ärztetages: Suizidassistenz ist keine ärztliche Aufgabe / DGP unterstreicht Forderung nach Ausbau der Suizidprävention

„Wir begrüßen die Klarstellung, dass die Mitwirkung an einem Suizid keine ärztliche Aufgabe ist!“ erklärt Prof. Dr. Claudia Bausewein, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) zur gestrigen Entscheidung des 124. Deutschen Ärztetages: Dieser lehnt eine Verpflichtung von Ärztinnen und Ärzten zur Mitwirkung beim assistierten Suizid ab und bestätigt die Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung der Bundesärztekammer. Auch wenn der Wunsch zu sterben aus einer Vielzahl von Gründen erwachsen könne, von denen Krankheit nur einer sein, habe die Ärzteschaft verdeutlicht: „Das vertrauensvolle und wertschätzende Gespräch über den Wunsch zu sterben oder das eigene Leben zu beenden, gehört zum Kern ärztlicher Tätigkeit.“ Zudem seien laut DGP entscheidende Signale in Richtung Politik bezüglich der dringend notwendigen Förderung und des Ausbaus von Angeboten der Suizidprävention gesetzt worden.

Für palliativmedizinisch tätige Ärztinnen und Ärzte ist außerdem der Beschluss von Bedeutung, dass in der Muster-Berufsordnung der Bundesärztekammer im §16 „Beistand für Sterbende“ der dritte Satz „Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten.“ gestrichen wurde. Nun heißt es allein: „Ärztinnen und Ärzte haben Sterbenden unter Wahrung ihrer Würde und unter Achtung ihres Willens beizustehen. Es ist ihnen verboten, Patientinnen und Patienten auf deren Verlangen zu töten.“ Die DGP befürwortet den Wegfall des dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts entgegenstehenden Satzes. DGP-Geschäftsführer Heiner Melching appelliert an die Landesärztekammern, dies so in ihre Berufsordnungen zu übernehmen, um bundeslandübergreifende Rechtssicherheit zu schaffen: „Die derzeitige Uneinheitlichkeit der Berufsordnungen hinsichtlich des §16 und die damit einhergehende Unklarheit über berufsrechtliche Konsequenzen verunsichert Ärztinnen und Ärzte.“

DGP-Präsidentin: Ein Mensch mit einem Sterbewunsch braucht verlässliche Gesprächsangebote

Der einhellige Beschluss „Der 124. Deutsche Ärztetag 2021 fordert die Politik auf, die Suizidprävention in Deutschland in den Fokus zu nehmen, zu unterstützen, auszubauen und zu verstetigen.“ entspricht den kürzlich veröffentlichten Eckpunkten der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zu einer möglichen Neuregulierung der Suizidassistenz und Stärkung der Suizidprävention. DGP-Präsidentin Claudia Bausewein: „Menschen mit einem Sterbewunsch sollten vor allem wissen, mit wem sie darüber sprechen können.“

Gesellschaft, Ärzteschaft und weitere Berufsgruppen seien laut DGP spätestens ab der ersten Äußerung eines Sterbewunsches gefordert: „Als fürsorgende Gemeinschaft dürfen wir es uns nicht zu leicht machen und den Todeswunsch unmittelbar als Handlungsaufforderung verstehen“, so DGP-Vizepräsident Urs Münch, Psychoonkologe und Psychologischer Psychotherapeut, Berlin: „Wir brauchen im ambulanten wie im stationären Bereich flächendeckende und niedrigschwellige Beratungs- und Gesprächsangebote, in denen – z.B. mehrfach erkrankte alte – Menschen offen über ihre Lebensmüdigkeit sowie mögliche Sterbewünsche sprechen können.“

Suizidprävention muss Normalität werden, Suizidassistenz absolute Ausnahme bleiben!

Unmissverständlich äußert sich auch DGP-Vizepräsident Dr. Bernd-Oliver Maier, Chefarzt für Interdisziplinäre Onkologie und Palliativmedizin, Wiesbaden: „Suizidprävention muss Normalität werden, Suizidassistenz absolute Ausnahme bleiben!“ Die Palliativmedizin versteht sich als ein Teil der Suizidprävention, da sie Sterbewünschen durch Linderung von Leidenszuständen, die ganzheitliche Begleitung der schwerkranken Menschen in ihrem Umfeld und eine Verbesserung der Lebensqualität in sehr vielen Fällen wirksam begegnen kann.

ECKPUNKTE der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zu einer möglichen Neuregulierung der Suizidassistenz und Stärkung der Suizidprävention (24.02.2021)

DGP PRESSEMITTEILUNG SUIZIDASSISTENZ KEINE ÄRZTLICHE AUFGABE

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin stellt virtuell bei der "Leben und Tod" aus / DGP-Vize zu Würde in Coronazeiten / Schlussworte mit DGP-Präsidentin

Aktuell sind im Rahmen der Online-Themenwoche „Leben und Tod“ noch bis zum 8. Mai sechs „Themenwelten“ zu entdecken. Als virtuelle Ausstellerin zu „Palliative Care“ ist die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin mit dabei. Auf der Seite finden sich nicht nur diverse Links und Infomaterialien, sondern auch ein Video mit DGP-Geschäftsführer Heiner Melching: Nach dem Einstieg „Wann haben Sie das letzte Mal an den Tod gedacht?“ erhalten Interessierte diverse Informationen zu den Angeboten am digitalen Ausstellungsstand der DGP. Am 7. Mai wird Heiner Melching ergänzend am Live-Tag im Chat für Fragen zur Verfügung stehen. Außerdem lassen sich über die Plattform Gesprächstermine für Videomeetings vereinbaren.

Im Programm sei insbesondere auf das (24h kostenfreie) Interview mit DGP-Präsidentin Prof. Dr. Claudia Bausewein und Rainer Simader am 5. Mai und den Vortrag von DGP-Vizepräsident Dr. Bernd Oliver Maier am 7. Mai hingewiesen.

BAUSEWEIN SIMADER SCHLUSSWORTE

MAIER WÜRDE IN CORONAZEITEN

DGP BEI DER "LEBEN UND TOD"

THEMENWOCHE LEBEN UND TOD

 

DGP veranstaltet am 22. Juni Online-Fachtag „Teilhabe bis zum Lebensende“: Gute palliative Versorgung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung

Die AG Menschen mit intellektueller und komplexer Beeinträchtigung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin lädt in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal zu ihrem Fachtag ein, das Thema der Online-Veranstaltung lautet „Teilhabe bis zum Lebensende“. Am 22. Juni sind Geschäftsführer*innen, Leitungen und Mitarbeitende aus Wohnformen der Eingliederungshilfe, Angehörige und rechtliche Betreuer*innen sowie Mitarbeitende aus Hospiz- und Palliativ-Einrichtungen, Personen aus der Seelsorge und weitere Interessierte zu einem spannenden virtuellen Programm aus Vorträgen und Workshops eingeladen. „Gute palliative Versorgung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung“ ist das zentrale Anliegen. Anmelden können sich Interessierte für eine Teilnahmegebühr von 30 Euro bis zum 31. Mai unter koordination@palliativmedizin.de.

PROGRAMM

Deutsche Gesellschaft
für Palliativmedizin e. V.
Aachener Straße 5
10713 Berlin

T 030 / 30 10 100 - 0
F 030 / 30 10 100 - 16
dgp@dgpalliativmedizin.de
www.dgpalliativmedizin.de