

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) ist eine interdisziplinäre und interprofessionelle wissenschaftliche Fachgesellschaft mit mehr als 6.700 Mitgliedern. Wir engagieren uns für eine Palliativ- und Hospizversorgung, die Menschen mit schweren Erkrankungen und ihre Nahestehenden umfassend unterstützt und ihnen eine möglichst hohe Lebensqualität ermöglicht. Dies geschieht durch die Linderung der durch die Krankheit und Therapie verursachten physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Belastungen sowie durch eine Begleitung entsprechend der Bedürfnisse und Wünsche der Patient:innen und der ihnen Nahestehenden.
Die DGP verbindet mit Palliativversorgung die Rechte auf menschenwürdigen Umgang, auf Selbstbestimmung, auf Schutz vor Leid und auf Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung. Unser Handeln ist durch Respekt, Offenheit und Toleranz gegenüber der Vielfalt menschlicher Lebenswege und Werte geprägt. Die Würde des Menschen und die unveräußerlichen Menschenrechte bilden dabei den ethischen Rahmen unseres Handelns.
Palliativversorgung begleitet Menschen in Lebensphasen, in denen sie besonders verletzlich sind. Unsere professionelle Arbeit und unser ehrenamtliches Engagement erfordern ein wissenschaftliches Fundament, eine interprofessionelle Zusammenarbeit, eine menschliche Grundhaltung und ein besonderes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein. Als wissenschaftliche Fachgesellschaft vereinen wir Evidenz, ethische Reflexion und empathische Zuwendung als Ausdruck unseres professionellen Handelns.
Palliativversorgung lebt von gemeinsamer Gestaltung und Entscheidungsfindung: schwerkranke Menschen und ihnen Nahestehende sind aktive Partner:innen und werden in ihrer Selbstbestimmung gestärkt. Wir übernehmen Verantwortung dafür, vorhandene Strukturen zu stärken, Wissen zu teilen und bestehende Ressourcen achtsam und nachhaltig einzusetzen. Palliativversorgung muss verlässlich und für alle Menschen zugänglich sein.
Der vorliegende Wertekompass beschreibt die Haltungen, die unser Verständnis von Palliativversorgung prägen. Er gibt Orientierung in einer zunehmend komplexeren Gesellschaft und Versorgungslandschaft. Er bekräftigt unsere Position im gesundheitspolitischen Diskurs und macht sichtbar, was uns als Fachgesellschaft wichtig ist und verbindet. Die folgenden Werte bilden das gemeinsame Fundament unseres Handelns – in Versorgung, Forschung, Lehre, Netzwerk- und Verbandsarbeit.
Wir verstehen diesen Wertekompass als dynamisches Dokument, das aus dem Erfahrungsschatz unserer Mitglieder erwächst und sich durch Dialog und Kritik ständig weiterentwickelt. Er ist Einladung und Verpflichtung zugleich: unsere gemeinsame Haltung zu reflektieren, zu schärfen und in Versorgung, Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft sichtbar zu leben.
Die Werte unseres Handelns sind:
Der Wertekompass stärkt unser Selbstverständnis als wissenschaftliche Fachgesellschaft. Er soll unsere Stimme stärken - für Menschen mit schweren Erkrankungen und für Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Wir verstehen den Wertekompass als Selbstverpflichtung und Maßstab unseres Handelns in Behandlung und Versorgung, Wissenschaft, Lehre und gesundheitspolitischer Verantwortung.
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Wissenschaftlichkeit bildet ein Fundament der Palliativversorgung. Sie bedeutet für uns, dass Patient:innen und Nahestehende eine evidenzbasierte Versorgung und Begleitung erhalten. Bisherige Erkenntnisse werden immer wieder kritisch geprüft. Wir bleiben neugierig und wahren unsere Unabhängigkeit. Der Wissenskanon wird durch Forschung kontinuierlich weiterentwickelt.
Wissenschaftlichkeit schafft Vertrauen in Versorgung, Forschung und Lehre. Sie verleiht unserem Handeln Gewicht im Dialog mit Politik, Institutionen und Öffentlichkeit. Sie ist Grundlage dafür, Qualität immer wieder zu hinterfragen und neu zu definieren.
Wir fördern eine evidenzbasierte Versorgung, nachvollziehbare Kommunikation und kontinuierliche Weiterentwicklung unseres Faches. Wissenschaftlichkeit ist für uns Motivation und Verpflichtung zugleich.
Zurück nach obenInterprofessionalität auf Augenhöhe beschreibt eine Haltung, in der die unterschiedlichen Professionen einander respektvoll, kompetenzbasiert und offen begegnen. Sie steht für eine aktive, wertschätzende Zusammenarbeit im Sinne gemeinsamer Übernahme von Verantwortung in Bezug auf die getroffenen Entscheidungen und festgelegten Ziele.
Palliativversorgung gelingt am besten, wenn die verschiedenen fachlichen Perspektiven zusammenwirken. Diese Vielfalt ermöglicht eine umfassende und unvoreingenommene Wahrnehmung der Bedürfnisse von Betroffenen und deren bestmögliche Versorgung. Sie stärkt die Qualität gemeinsamer Entscheidungen.
Wir fördern Strukturen, die geteilte Verantwortung ermöglichen, und machen sichtbar, dass herausfordernde menschliche Situationen umfassende gemeinschaftliche Antworten erfordern. Interprofessionalität zeigt die besondere Breite und Tiefe unseres Fachs.
Zurück nach obenSolidarität bedeutet, unsere menschliche Verletzlichkeit und Angewiesenheit anzuerkennen und auf diese mit fachlicher Verantwortung, Fürsorge und Mitmenschlichkeit zu reagieren.
Solidarität trägt eine Haltung der Demut in sich und prägt die Palliativversorgung seit ihren Anfängen. Sie schafft Verbundenheit im Team und in der Begleitung schwerstkranker Menschen und ihrer Nahestehenden.
Wir gestalten eine Kultur, in der Angewiesensein als Auftrag zu gemeinsamer Sorge verstanden wird. Solidarität stärkt Teams, fördert Vertrauen und setzt ein gesellschaftliches Zeichen für einen menschlichen Umgang in existenziellen Situationen.
Zurück nach obenSie zeigt sich im respektvollen Umgang mit Schwerkranken und ihren Nahestehenden, in der Gestaltung verlässlicher Versorgungsstrukturen, in wissenschaftlicher Integrität, in der Förderung des Nachwuchses sowie in der aktiven Mitgestaltung des gesellschaftlichen Diskurses über das Lebensende.
Als Fachgesellschaft verstehen wir uns als Brücke zwischen Wissenschaft, Praxis, Politik und Gesellschaft. Wir gestalten die Zukunft der Palliativversorgung aktiv mit und beziehen fachlich wie ethisch Position - dabei achten wir zugleich die Eigenverantwortung derjenigen, die im jeweiligen Kontext Entscheidungen treffen müssen.
Wir tragen Verantwortung, unsere gemeinsamen Werte nach innen und außen erkennbar und konsistent zu vertreten.
Zurück nach obenWürdevoller Umgang bedeutet, individuelle Bedürfnisse ernst zu nehmen, Grenzen zu respektieren, Leid zu lindern, wo es möglich ist, und die bestmögliche Lebensqualität zu fördern.
Würde umfasst die Anerkennung des einzigartigen Lebensweges jedes Menschen und seiner aktuellen Lebenssituation und prägt die Begleitung am Lebensende.
Wir gestalten Versorgung so, dass die Würde des Menschen sichtbar und erfahrbar wird – unabhängig von Herkunft, Biografie oder individuellen Lebensentscheidungen.
Vielfalt zeigt sich in Unterschieden, etwa von Herkunft, Geschlecht und geschlechtlicher Identität, sexueller Orientierung, Alter, Religion, Bildung, Rollenbildern, beruflichen Hintergründen und Lebensentwürfen. Alle Menschen haben das Recht auf eine palliative Versorgung, die ihre Individualität achtet und gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht.
Vielfalt findet sich in Teams, bei Patient:innen und ihren Nahestehenden sowie in der Gesellschaft.
Unterschiedliche Perspektiven erweitern unser Verständnis und tragen zu einer sensibleren und bedarfsgerechten Versorgung bei.
Wir schaffen und fördern Strukturen, in denen Vielfalt gehört, respektiert und als Bereicherung verstanden sowie als Ressource genutzt wird. Sie stärkt die interprofessionelle Zusammenarbeit und ermöglicht eine Versorgung, die Menschen in ihrer Einzigartigkeit gerecht wird.
Für uns ist Vielfalt ein Ausdruck von Offenheit, Modernität und Respekt – und ein Signal an eine plurale Gesellschaft. Wir treten aktiv Diskriminierung entgegen und gestalten palliative Versorgung als sicheren Raum.
Letztverlässlichkeit beschreibt das Versprechen, Menschen am Lebensende nicht allein zu lassen – körperlich, psychisch, sozial und spirituell. Sie schafft Vertrauen und ist Grundlage für Authentizität und Glaubwürdigkeit im Handeln.
Wir verstehen den Begriff als Ausdruck einer menschlichen und fachlichen Verpflichtung zur Nähe, Verbindlichkeit und Begleitung bis zuletzt und darüber hinaus.
Wir machen diese Haltung als Fachgesellschaft sichtbar. Letztverlässlichkeit prägt unser Selbstverständnis und unsere Verantwortung gegenüber schwerkranken Menschen, ihren Nahestehenden und der Gesellschaft.
Zurück nach obenSeptember 2026: Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. präsentiert ihren WERTEKOMPASS.
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