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DGP-Präsidentin zur Suizidhilfe-Debatte im Bundestag: „Wir sind einen Schritt weiter“ / Palliativversorgung und Suizidprävention müssen für alle zugänglich sein

„Die Stärkung der Palliativ- und Hospizversorgung bei gleichzeitigem Ausbau der Suizidprävention war ein zentrales Thema bei der Debatte zur Suizidhilfe im Bundestag. Das geht in die richtige Richtung“, erklärt Prof. Dr. Claudia Bausewein, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Die ernsthafte fraktionsübergreifende Debatte habe deutlich gezeigt: „Wir sind einen Schritt weiter als 2015: Menschen mit einem Sterbewunsch brauchen vor allem Zugang zu offenen Gesprächsangeboten, in denen ihr Anliegen ernstgenommen wird, ohne dies als unmittelbare Handlungsaufforderung zu missverstehen.“

Im Rahmen der gestrigen Debatte im Bundestag sind von den Abgeordneten aus allen Fraktionen mehrfach Bedenken hinsichtlich einer „Normalisierung“ der Suizidassistenz geäußert worden, die Furcht vor sozialem Druck, dass Menschen sich überflüssig fühlen oder als Last empfinden könnten. Hierzu hat die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin Ende Februar mit der Veröffentlichung eines Eckpunktepapiers unmissverständlich Stellung genommen, so DGP-Vizepräsident Dr. Bernd-Oliver Maier: „Suizidprävention muss Normalität werden, Suizidassistenz absolute Ausnahme bleiben!“ Die Palliativmedizin versteht sich als ein Teil der Suizidprävention, da sie Sterbewünschen durch Linderung von Leidenszuständen, die ganzheitliche Begleitung der schwerkranken Menschen in ihrem Umfeld und eine Verbesserung der Lebensqualität in sehr vielen Fällen wirksam begegnen kann.

Am 26. Februar 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht das 2015 vom Bundestag beschlossene Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung aufgehoben und ein umfassendes Recht auf selbstbestimmtes Sterben identifiziert. Deshalb wurde gestern im Rahmen einer Orientierungsdebatte im Bundestag offen, auch über Fraktionsgrenzen hinweg, über mögliche Neuregelungen diskutiert. 38 Abgeordnete aus allen Fraktionen erhielten für jeweils drei Minuten das Wort, weitere Redebeiträge konnten zu Protokoll gegeben werden.

BUNDESTAG DEBATTE SUIZIDHILFE (21.04.2021)

PRESSEMITTEILUNG Eckpunkte Suizidassistenz Suizidprävention (26.02.2021)

ECKPUNKTE der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zu einer möglichen Neuregulierung der Suizidassistenz und Stärkung der Suizidprävention (24.02.2021)

 

26. April: Abschlusskonferenz des BMBF-geförderten Verbundprojektes "SedPall: Von der Anxiolyse bis zu tiefer kontinuierlicher Sedierung"

Im Rahmen des BMBF geförderten Verbundprojektes „SedPall: Von der Anxiolyse bis zu tiefer kontinuierlicher Sedierung“ hat der Forschungsverbund über die letzten drei Jahre hinweg zum Thema „Sedierung am Lebensende in der Spezialisierten Palliativversorgung“ multidisziplinär geforscht. Daraus entwickelte der Forschungsverbund empirisch und normativ fundierte Handlungsempfehlungen zum „Einsatz sedierender Medikamente in der Spezialisierten Palliativversorgung“. Diese Handlungsempfehlungen und Forschungsergebnisse möchte Ihnen der Forschungsverbund gerne im Rahmen der Abschlusskonferenz vorstellen.Die Handlungsempfehlung steht Ihnen im Anschluss an die Abschlusskonferenz am 26.04. auf der Homepage der DGP zum Download zur Verfügung.

Dazu lädt im Namen des gesamten Forschungsverbundes Prof. Dr. med. Christoph Ostgathe, Leiter der Palliativmedizinischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen und Präsident der European Association for Palliative Care (EAPC), herzlich ein.

Die Abschlusskonferenz findet am Montag, den 26.04.2021, von 15.00 bis 18.45 Uhr statt und wird aufgrund der weiterhin andauernden Corona-Pandemie als Online-Veranstaltung per Zoom-Webinar realisiert. Näheres zu Konferenzprogramm und Einwahldaten:

ABSCHLUSSKONFERENZ SED PALL

DGP-Präsidentin fordert gesellschaftlichen Austausch, wie wir Schwerstkranke, Sterbende und ihre Familien gemeinsam durch diese Pandemie begleiten können

Corona-Gedenken: Was es bedeutet, die Liebsten im Sterben allein lassen zu müssen

Requiem Jochen SandigBilder für Trauer und Schmerz, aber auch für Trost und Zuversicht: "Ein deutsches Requiem" von Brahms mit dem Rundfunkchor Berlin in der Inszenierung von Jochen Sandig. VIDEOEindringlich waren die Worte der Angehörigen bei der Gedenkfeier für die während der Corona-Pandemie Verstorbenen: Den Vater, die Mutter, den Ehemann oder die Tochter in schwerster Krankheit und im Sterben allein lassen zu müssen und nichts dagegen tun zu können, das drang auch in die Herzen all derer, die sich vor den Fernsehgeräten auf die Trauer der Familien einließen. Ebenso die Dankbarkeit für winzige Momente des Dabeiseins, die in anderen Zeiten so selbstverständlich sind.

„Insbesondere unter den Bedingungen strenger Schutz- und Isolationsmaßnahmen wird es noch bedeutsamer, die Schwerstkranken und ihre Nahestehenden gut zu begleiten. Diese dringend notwendige Betreuung kann durch die Mitarbeit von Palliativversorgern besser gelingen.“ so Dr. Wiebke Nehls, Chefärztin der Klinik für Palliativmedizin und Geriatrie des Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin sowie Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Nach ihren Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr ist dies in enger Zusammenarbeit zwischen Intensiv- und Palliativmedizin möglich und schafft ein neues Miteinander.

Ein Weg: Enge Zusammenarbeit zwischen Intensiv- und Palliativmedizin - Jede Geste zählt

„Wir sind die Verbindung und die Brücke zwischen den Schwerkranken und den ihnen nahestehenden Menschen“, betont Nehls. „Machen wir uns klar, welch große Bedeutung eine kleine Geste für den Abschied und die Trauer der Familien haben kann. Machen wir uns klar, was es für eine Mutter bedeutet, die ihrer Tochter auf der Intensivstation verspricht wiederzukommen und das dann nicht darf. Machen wir uns klar, wieviel Trost es auch noch lange nach dem Tod des geliebten Menschen bedeuten kann, sich noch einmal nah gewesen zu sein.“ Manchmal wird eine kleine Rose am Bett zum Symbol für die Familie, dass hier ein geliebter Mensch gestorben ist und nicht nur ein Patient.

Prof. Dr. Claudia Bausewein, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin mit über 6.000 Mitgliedern: „Auch wenn wir Schwerkranken und Sterbenden mit ihren Familien derzeit nicht immer die umfassende Fürsorge und Nähe zukommen lassen können, die wir in der Palliativversorgung für essentiell halten, so möchte ich ausdrücklich all denen danken, die unter höchstem persönlichen Einsatz neue Ideen und Wege entwickelt haben, um die Verbindung zu Sterbenden und den ihnen Nahestehenden allen Schutz- und Isolierungsbedingungen zum Trotz zu halten.“ Diese Grundhaltung und gelebte Solidarität sei es, die Hoffnung auf menschliches Miteinander und gemeinsames Aushalten von Abschied und Trauer vermittele.

Regisseur Jochen Sandig: "Wir alle tragen Verantwortung"

Diese außerordentliche gemeinschaftliche Aufgabe kann nicht allein auf den Schultern der Gesundheitsversorger lasten, sondern sie muss von allen Teilen der Gesellschaft unterstützt werden. „Wir alle tragen Verantwortung“, unterstrich Regisseur Jochen Sandig, welcher mit der Inszenierung des vom Rundfunkchor Berlin in der Gedenkveranstaltung dargebotenen „Human Requiems“ eindrucksvolle Bilder für Trauer und Schmerz von Menschen, aber auch für Trost und Zuversicht geschaffen hat. „Brahms richtet sich in seinem sehr menschlichen Requiem direkt an uns, damit wir das Sterben als Teil unseres Lebens erkennen. Mit der Palliativversorgung werden Wege aus der Angst und Einsamkeit heraus entwickelt – diese Kultur der würdevollen Begegnung mit dem Tod verbindet uns.“, unterstreicht der Kulturschaffende und wünscht sich eine breite gesellschaftliche Unterstützung für Familien, die einen persönlichen Abschied am Sterbebett ersehnen.

„Lassen Sie uns in den gesellschaftlichen Austausch darüber gehen, wie wir Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörigen so eingebunden wie möglich durch diese Pandemie begleiten können, ohne uns und unsere Ressourcen aus den Augen zu verlieren.“ so das Fazit von Claudia Bausewein.

DGP, DIVI, BVT, PSO, DVSG, DGSF: Empfehlungen zur Unterstützung von belasteten, schwerstkranken, sterbenden und trauernden Menschen in der Corona Pandemie aus palliativmedizinischer Perspektive

18. April: Gedenken an die in der Coronapandemie Verstorbenen

18. April: Gedenken an die während der Coronapandemie Verstorbenen

AbschiedWir mussten uns von so vielen Menschen verabschieden. Die Trauer gilt jedem einzelnen. © dluNahezu 80.000 Menschen sind bislang in Deutschland im Zuge der Corona-Pandemie verstorben. Als Präsidentin der DGP, aber auch als Leiterin einer Klinik für Palliativmedizin und als Privatperson, halte ich es für ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen, dass der Verstorbenen am Sonntag, 18. April, bundesweit gedacht wird. Wir alle wissen, wie bedeutsam es für die An- und Zugehörigen, aber auch für uns ist, der Trauer um die in unserer Betreuung verstorbenen Menschen gemeinsam Ausdruck zu verleihen.

Die Coronapandemie ist für uns alle eine komplett neue Erfahrung, die nicht allein schwerkranke und sterbende Menschen infolge einer Covid-19-Infektion betrifft, sondern selbstverständlich ebenso zahlreiche Palliativpatientinnen und -patienten, die wir gemeinsam mit ihren Familien im vergangenen Jahr nur unter teilweise höchst eingeschränkten Rahmenbedingungen in ihrer letzten Lebenszeit begleiten durften. So sind es noch viel mehr Menschen, denen wir an ihrem Lebensende nicht immer die umfassende Fürsorge und Nähe zukommen lassen konnten, die wir in der Palliativversorgung für essentiell halten. Das war und ist bitter und traurig.

Gleichzeitig ist es gelungen, andere neue Wege zu entwickeln, um die Verbindung zu Sterbenden und den ihnen Nahestehenden allen Schutz- und Isolierungsbedingungen zum Trotz zu halten, viele von Ihnen haben dies unter höchstem persönlichen Einsatz geschafft und ihre eigene Trauer solange beiseitegeschoben. Dafür war einfach keine Zeit.

Obwohl wir noch mittendrin sind in der Pandemie, möchte ich dazu ermuntern, einen Moment innezuhalten und Raum für die Trauer um all die Menschen zu schaffen, die wir in einem atemberaubenden Ausmaß und Tempo verloren haben. Sie fehlen.

Unsere Gedanken sind bei ihnen und ihren Familien.

Ihre Claudia Bausewein
Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

BUNDESPRÄSIDENT CORONA GEDENKTAG

„Für die Sorge am Lebensende“: DGP-Präsidentin Prof. Claudia Bausewein spricht zum Auftakt der „Woche für das Leben“

Zum Thema „Leben im Sterben“ findet vom 17. bis zum 23. April die ökumenische „Woche   für   das   Leben   2021“ statt. Den Auftakt bildet am 17. April von 12 bis 14 Uhr die digitale Fachveranstaltung »Leben im Sterben – und wie?! Perspektiven im Gespräch« mit Vertreter*innen aus Kirche, Politik und Wissenschaft. Prof. Dr. Claudia Bausewein, Präsidentin der DGP und Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin der Universität München, führt unter dem Titel "Für die Sorge am Lebensende" in das Thema ein. Ihr Fazit:

"In der Gesellschaft und in der Medizin braucht es eine Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens, den Grenzen des Machbaren und den Auswirkungen der zunehmenden Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung. Sterbende Menschen haben ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen, wie es in der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland heißt. Die Gesellschaft wird sich daran messen lassen müssen, wie sie sterbenden Menschen begegnet und ob sie die notwendigen Rahmenbedingungen schafft, dass dieses Sterben in Würde möglich wird."

WOCHE FÜR DAS LEBEN 2021

 

Mehr als 150 Mitglieder beim ersten Online-Dialog der DGP zum Eckpunktepapier zu Suizidprävention und Suizidassistenz

Rund 150 DGP-Mitglieder haben den ersten Termin des neuen Online-Formats „Die DGP im Dialog“ am 25. März wahrgenommen. Im Fokus des intensiven digitalen Austauschs auf Einladung von DGP-Präsidentin Claudia Bausewein und unter Moderation von Vizepräsident Bernd Oliver Maier standen die Ende Februar veröffentlichten Eckpunkte der DGP zu einer möglichen Neuregulierung der Suizidassistenz und Stärkung der Suizidprävention.

Fortan wird dieses interne Forum zur Debatte kontroverser Themen einmal im Monat für eine Stunde angeboten, das zweite Mal können DGP-Mitglieder am 29. April von 18 bis 19 Uhr daran teilnehmen. Nähere Informationen folgen.

Appell: Jetzt handeln: Personal im Gesundheitswesen vor Burnout!

Täglicher Umgang mit Notfällen, Leid, Sterben und Tod fordert seinen Tribut – Entlastung, psychosoziale Unterstützung und Prävention dringend erforderlich – Aufruf an Fachverbände, sich anzuschließen!

Mit dem dringenden Appell „Jetzt handeln: Personal im Gesundheitswesen vor Burnout!“ wenden sich heute diverse Fachgesellschaften, Berufsverbände und Stiftungen unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) in ernster Sorge um die hohe Belastung der Gesundheitsfachkräfte durch die Corona-Pandemie an die Politik. „In Anbetracht dieser ununterbrochenen Konfrontation mit Notfallsituationen, teils leidvollem Sterben und Tod ist Entlastung für Gesundheitsfachkräfte durch den Einsatz psychosozialer Fachkräfte in Versor-gungsbereichen mit hoher Belastung unerlässlich.“, so Dipl.-Psych. Urs Münch, Vizepräsident der DGP, Psychologischer Psychotherapeut und Psychoonkologe. Die DGP ruft Fachverbände und -gesellschaften dazu auf, sich dem Appell anzuschließen.

Überlastung der Gesundheitsfachkräfte durch zahlreiche Stressoren

„Die Corona-Pandemie führt in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung zur Überlastung der Gesundheitsfachkräfte. Sie sind seit einem Jahr dauerhaft zahlreichen Stressoren ausgesetzt.“ unterstreicht DGP-Präsidentin Prof. Dr. Claudia Bausewein, die als Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am LMU Klinikum, Campus Großhadern, erlebt, welche Kraftanstrengung dies täglich für die Teams bedeutet.

„Besonders zu schaffen machen den Fachkräften neben dem täglichen Umgang mit Notfällen, Leid, Sterben und Tod die Ausfälle ihrer Kolleginnen und Kollegen durch Covid-19-Erkrankungen oder Quarantäne, die physische und psychische Herausforderung bei der Pflege beatmeter wie nicht beatmeter Covid-19-Erkrankter, das eigene Infektionsrisiko inclusive der Covid-19-Stigmatisierung und der erhöhte Betreuungsaufwand von durch Besuchsverbote vereinsamten Menschen.“ betont Heidi Müller, Dipl.-Politologin, Trauerforscherin und Trauer-beraterin, Sprecherin der AG Psychosoziale und Spirituelle Versorgung der DGP und Erstautorin des Aufrufs.

Bedarf an psychosozialer Unterstützung in allen Arbeitsbereichen

Das Problem gilt für alle Arbeitsbereiche: Alten- und Pflegeheime, ambulante Versorgung Schwerstkranker und Kliniken, dort insbesondere auf COVID-19- und Intensivstationen. Die wirtschaftlichen Kosten der gesundheitlichen Folgen, wie z.B. Posttraumatische Belastungsstörungen oder Depressionen, werden durch Arbeitsausfälle, Behandlungskosten, dauerhaften Personalmangel massiv und hoch ausfallen. Das Rahmenkonzept für den Schutz vor chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren (CBRN) des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe thematisiere zwar psychosoziale Unterstützung für Professionelle in Schadens- und Gefahrenlagen, biete aber keinen Ansatz für eine konkrete Umsetzung.

„Es besteht akuter Bedarf an Entlastung der Gesundheitsfachkräfte!“ so die Unterzeichnenden des Appells, genannt werden insbesondere Pflegende wie auch Ärztinnen und Ärzte. Da strukturelle Schwachstellen wie der Mangel an Pflegekräften so schnell nicht behoben werden können, muss dies vorrangig durch psychologische, psychotherapeutische, soziale und spirituelle Unterstützung Schwerstkranker, deren An- und Zugehöriger wie auch pflegender Angehöriger geschehen. Unumgänglich ist außerdem präventive Hilfe für betroffene Gesundheitsfachkräfte, Schwerstkranke und deren An- und Zugehörige, auch, um Folgekosten durch langwierige psychische Störungen und deren Behandlungen zu reduzieren.

Zur Entlastung zusätzliche Fachkräfte dringend erforderlich

„Wir fordern Sie auf, eine Lösung zur Entlastung der von COVID-19 besonders betroffenen Bereiche der Gesundheitsversorgung zu finden, die auch den Grundsätzen des Rahmenkonzepts des CBRN-Schutzes für eine Pandemie entspricht.“ Es sei dringend dafür zu sorgen, dass die von COVID-19 besonders betroffenen Bereiche der Gesundheitsversorgung mit zusätzlichen Fachkräften aus der Psychologie, Psychotherapie, Neuropsychologie, Sozialarbeit und Spiritual Care bzw. Seelsorge gestärkt werden, appellieren die unterzeichnenden Fachgesellschaften und Berufsverbände.

Kurzfristig profitieren könnten COVID-19-Stationen und Intensivstationen in den Kliniken, Alten- und Pflegeheime und die Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Mittel- und langfristig braucht es zum Schutz der durch eine Pandemie besonders belasteten Gesundheitsfachkräfte im Sinne des Rahmenkonzepts für den CBRN-Schutz ein nachhaltiges Konzept, das letztlich die psychische Gesundheit aller im Gesundheitssystem durch die Pandemie besonders belasteten Personengruppen sowohl aus ethisch-moralischer als auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive gewährleistet. Die Unterzeichnenden stellen ihre Expertise gerne beratend zur Verfügung.

Die Initiative zum Appell hat die DGP als wissenschaftliche Fachgesellschaft mit über 6.000 Mitgliedern aus der Hospiz- und Palliativversorgung ergriffen, „weil wir aus unserer Erfahrung um den wirksamen Effekt multiprofessionellen Arbeitens und der regelhaften Einbeziehung psychosozialer und spiritueller Fachkräfte wissen“, so Susanne Kiepke-Ziemes, Dipl.-Sozialarbeiterin und Systemische Therapeutin, ebenfalls Sprecherin der AG Psychosoziale und Spirituelle Versorgung der DGP und Mitautorin des Aufrufs.

Unterzeichnet haben bis zum 3. März:

  • Berufsverband für Anthroposophische Kunsttherapie (BVAKT)
  • Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP)
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien (BAG-KT)
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (BAG-SAPV)
  • #dauerhaftsystemrelevant
  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie e.V. (dapo)
  • Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP)
  • Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e.V. (DGSF)
  • Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT)
  • Deutsche PalliativStiftung (DPS)
  • Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG)
  • Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH)
  • Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V. (DHPV)
  • Gesellschaft für Neuropsychologie e.V. (GNP)
  • Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft in der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (PSAPOH)

APPELL JETZT HANDELN PERSONAL IM GESUNDHEITSWESEN VOR BURNOUT

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin legt Eckpunktepapier vor: Suizidprävention muss Normalität werden, Suizidassistenz absolute Ausnahme bleiben!

Ein Jahr BVerfG-Urteil / DGP zur möglichen Neuregulierung der Suizidassistenz: Beratung, Begutachtung und Umsetzung strikt voneinander trennen

„Suizidprävention muss Normalität werden, Suizidassistenz hingegen absolute Ausnahme bleiben!“ so Dr. Bernd Oliver Maier, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), bei der heutigen Vorstellung der „Eckpunkte der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zu einer möglichen Neuregulierung der Suizidassistenz und Stärkung der Suizidprävention“. Sterbe- und Todeswünsche sind nach palliativmedizinischer Erfahrung zumeist von großer Ambivalenz gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund äußert sich Prof. Dr. Claudia Bausewein, Präsidentin der DGP, unmissverständlich zu den Grundpfeilern eines möglichen Umgangs mit dem Wunsch nach Suizidassistenz: „Beratung, Begutachtung und Durchführung müssen strikt voneinander getrennt sein!“

Eine Regelung zur Suizidassistenz kann aus Sicht der DGP nur geschaffen werden, wenn parallel die Suizid-prävention umfassend gestärkt und deren Bedeutung bereits im Titel entsprechender Gesetzentwürfe ausgewiesen wird. Denn, so Maier: "Menschen, die sich mit der Frage der Lebensbeendigung auseinandersetzen, sind in aller Regel in einer Notlage." Sie benötigen einen Schutzraum in Form von Angeboten ergebnisoffener Beratung, in der gemeinsam herauszufinden ist, "warum in dieser bestimmten Situation der Mensch dieses Leben, wie er es jetzt leben muss, vielleicht nicht weiterleben will."

Palliativversorgung als Teil der Suizidprävention

Die Palliativmedizin versteht sich als ein Teil der Suizidprävention, da sie durch Linderung von Leidenszuständen, eine ganzheitliche Betrachtung der schwerkranken Patientinnen und Patienten zusammen mit ihnen nahestehenden Menschen sowie eine Verbesserung der Lebensqualität in sehr vielen Fällen Sterbewünschen wirksam begegnen kann. Im Falle neuer Regelungen zur Suizidassistenz sieht die DGP die Notwendigkeit einer Differenzierung zwischen Menschen, deren Lebenserwartung durch eine schwere Erkrankung auf Wochen oder Monate begrenzt ist, und Menschen, die aufgrund anderer krisenhaft erlebter Situationen eine Beihilfe zum Suizid wünschen. Dies in Anbetracht dessen, dass sich Lebenssituationen und Lebensrealität der Betroffenen derart grundsätzlich unterscheiden, dass nach Ansicht der DGP hier auch in der Verfahrensweise differenziert vorgegangen werden muss, um dem einzelnen Menschen mit seinem Sterbewunsch angemessen gegenüber zu treten.

Was das insbesondere für das Ersuchen um Suizidassistenz lebenslimitierend erkrankter Menschen heißt, erläutert die DGP in ihrem Eckpunktepapier: Die aus einem vermeintlich „freien Willen“ resultierenden Entscheidungen können nur getroffen werden, wenn ausreichende Informationen und Kenntnisse zu den Folgen einer Entscheidung und zu möglichen Alternativen vorliegen. Damit ist für schwerstkranke Menschen mit Suizidwunsch eine umfassende Beratung zum Lebensende und zur Hospiz- und Palliativversorgung gemeint, dies durch qualifizierte Einrichtungen der spezialisierten Palliativversorgung zu körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Dimensionen möglichen Leids des Betroffenen.

Wie lassen sich Freiwilligkeit, Ernsthaftigkeit und Dauerhaftigkeit prüfen?

Die Begutachtung zur Überprüfung der Freiwilligkeit und Ernsthaftigkeit - basierend auf Kenntnissen zur individuellen Lebenssituation der Betroffenen - sollte von zwei unabhängigen qualifizierten Fachkräften mit einer spezifischen Befähigung, davon mindestens eine Ärztin oder ein Arzt mit spezialisierter palliativmedizinischer oder psychotherapeutischer/psychiatrischer Erfahrung, erfolgen, um eine Beeinträchtigung der freien Willensbildung durch somatische, psychische und soziale Faktoren ausschließen zu können. Zur Überprüfung der Dauerhaftigkeit des Suizid-Ansinnens sollten bei Menschen mit einer schweren bzw. lebenslimitierenden Erkrankung mindestens 30 Tage zwischen erster Begutachtung und Ausführung liegen. In dieser möglicherweise hoch belastenden Zeit der letzten Entscheidung sollten Beratung, Unterstützung und Begleitung in angemessenen Zeitintervallen angeboten werden, nicht nur, um eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Sterbewunsch zu ermöglichen.

Zur Durchführung der Suizidbeihilfe merken die Autorinnen und Autoren des DGP-Papiers an: „Neben einer vielfach diskutierten ärztlichen Verordnung sind zwingend alternative Wege, wie z. B. Abgabe einer zum Tode führenden Substanz durch eine Behörde, zu prüfen, da die Ausübung eines Grundrechtes nicht zwingend an eine ärztliche Beteiligung gebunden sein kann.“ Und: „Für die verwendeten Betäubungsmittel muss ein Sicherungssystem für vorsätzlichen oder versehentlichen Fehlgebrauch eingerichtet werden.“

DGP befürchtet Druck auf hochbetagte pflegebedürftige Menschen

Die DGP unterstreicht abschließend: „Ebenso müssen der Ausbau und die Verbesserung der Versorgung von hochbetagten und schwer erkrankten Menschen sowie die Qualifikation der Akteure im Gesundheitswesen auch bezüglich des Umgangs mit Sterbewünschen weiter gestärkt werden. Bei einer als Normalfall akzeptierten Regelung zum assistierten Suizid ist zu befürchten, dass sich stark pflegebedürftige Menschen einer Erwartungshaltung oder einem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt fühlen, keine Belastung für Familie oder Gesellschaft zu sein. Auch diese Problematik muss in einer Neuregelung angemessen Berücksichtigung finden.“

Ebenfalls sieht die DGP die in der aktuellen Diskussion besonders herausgestellte Rolle von Ärztinnen und Ärzten bei der Durchführung der Suizidassistenz kritisch, unterstützt vielmehr die Position der Bundesärztekammer in den Grundsätzen zur ärztlichen Sterbebegleitung: „Ärztinnen und Ärzte haben Sterbenden unter Wahrung ihrer Würde und unter Achtung ihres Willens beizustehen“. Eine Definition der ärztlichen Aufgaben obliegt einzig diesem Berufsstand selbst, erklärt Claudia Bausewein. Die DGP sieht außerdem die Beihilfe zum Suizid nicht als Aufgabe der Hospiz- und Palliativversorgung und ist der Überzeugung, dass von einer Normalisierung der organisierten Beihilfe zur Selbsttötung eine besondere Gefahr der Beeinflussung insbesondere kranker, schwacher und abhängiger Menschen ausgeht.

Öffentlicher Diskurs zum Umgang mit dem Lebensende

Im Rahmen einer möglichen gesetzlichen Regelung der Suizidassistenz fordert die DGP:

  • Offene und breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Vorstellungen zum Umgang mit dem Lebensende sowie die Beseitigung von Informationsdefiziten zu den Möglichkeiten der Hospiz- und Palliativversorgung, den Patientenrechten bei schweren Krankheiten und am Lebensende sowie zur Suizidprävention. Das BMG soll hierzu einen öffentlichen Diskurs initiieren.
  • Stärkung der Suizidprävention durch niedrigschwellige Angebote zur Suizidprävention sowie Ausbau und Förderung der Hospizarbeit und Palliativversorgung.
  • Begleitende Forschung zum assistierten Suizid und zu Umständen, die zu Suizidwünschen führen.
  • Konsequente Verankerung von Aus-, Fort- und Weiterbildung aller relevanten Berufsgruppen im Gesundheitswesen und in der Suizidprävention zum Umgang mit Sterbewünschen und den Möglichleiten der Hospiz- und Palliativversorgung.
  • Qualitätssicherung der bestehenden Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung sowie der Suizidprävention.

ECKPUNKTE der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zu einer möglichen Neuregulierung der Suizidassistenz und Stärkung der Suizidprävention

PRESSEMITTEILUNG DGP ECKPUNKTE SUIZIDASSISTENZ SUIZIDPRÄVENTION

Das Deutsche Ärzteblatt berichtet:
PALLIATIVMEDIZINER DRÄNGEN AUF BESSERE SUIZIDVORBEUGUNG

 

Anmeldung für Twycross-Webinar wird heute geschlossen: Reflections to mark 50 years in palliative care: A trinity of patient care, education and training, and research

22.02.21: Die Anmeldung für das Twycross-Webinar wird heute geschlossen, da die maximale Anmeldezahl von 1.000 bereits erreicht ist! Den bereits Angemeldeten sei empfohlen, sich für einen reibungslosen Zugang nicht zeitlich zu knapp einzuwählen.

On 1 March, Robert Twycross, known internationally for his clinical work, teaching and writing, and a founding member of the European Association for Palliative Care (EAPC), will celebrate 50 years in palliative care. To mark the occasion, the EAPC will present a FREE 90-minute webinar on Thursday 25 February 2021, where Dr Twycross will share some of the insights he has acquired over the last five decades. But first, ahead of the webinar, we’ve invited him to share a few key moments of a professional life, dedicated almost entirely to palliative care, that has impacted globally…

REGISTRATION

REFLECTIONS TO MARK 50 YEARS IN PALLIATIVE CARE

 

DGP fordert nach befremdlichem Schlichtungsspruch: Qualifizierte Seelsorge ist als fester Bestandteil des Palliativteams in die OPS-Codes einzubinden

Mit Befremden hat die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) den Schlichtungsspruch im Schlichtungsverfahren nach §19 KHG vom 28.10.2020 zur Berücksichtigungsfähigkeit der von einem Seelsorger / einer Seelsorgerin erbrachten Leistungen im Rahmen der OPS-Codes 8-982 „Palliativmedizinische Komplexbehandlung“ und 8-98e „Spezialisierte stationäre palliativmedizinische Komplexbehandlung“ bei der Ermittlung der pro Patient*in erbrachten Leistungen/Therapiezeit zur Kenntnis genommen und dazu heute eine STELLUNGNAHME veröffentlicht.

Darin heißt es: „Der Schlichtungsspruch steht im Gegensatz zur derzeit geltenden Rechtsprechung zu dieser Fragestellung, wie sie in den Urteilen der Sozialgerichte Karlsruhe und Gelsenkirchen festgestellt wurde. (SG Karlsruhe, 28.02.2019- S 9 KR 1621/17; SG Gelsenkirchen, 07.08. – S 46 KR 70/17).“

Neben der heutigen Stellungnahme wird die DGP bis zum 28.02.2021 beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine Präzisierung der betreffenden OPS-Codes beantragen, die unter den aufgezählten Therapiebereichen, von denen mindestens sechs Stunden pro Woche erbracht werden müssen, eine explizite Nennung einer qualifizierten Seelsorge als Bestandteil des Palliativteams beinhaltet.

Die DGP betont ausdrücklich, dass unabhängig aller Finanzierungsregelungen für Palliativstationen die Seelsorge als fester Bestandteil zum Angebot der Palliativversorgung gehört und eine Einbindung von Seelsorger*innen in Palliativteams unerlässlich ist.

STELLUNGNAHME 17.02.21

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