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Offener Brief an den Bundesgesundheitsminister: DGP unterstützt Wiesbadener Initiative zur Palliativversorgung in Pandemiezeiten

04. April 2020: "In großer Sorge um das Wohl unserer Patientinnen und Patienten" wenden sich aktuell Palliativversorger aus der Region Wiesbaden mit einem offenen Brief an den Bundesgesundheitsminister: "Um auch in Pandemiezeiten eine angemessene Palliativversorgung gewährleisten zu können", bitten sie Jens Spahn darin dringend um Unterstützung. Außerdem laden sie Palliativ-Einrichtungen und -Teams auch aus anderen Regionen herzlich dazu ein, den Brief mit zu unterzeichnen:

"Wer unser Anliegen unterstützt und die benannten Punkte auch in seinem Arbeitsfeld als wichtig erachtet, ist herzlich eingeladen, den Brief selbst zu unterzeichnen. Dies geschieht, indem Sie uns eine E-Mail an palliativ@joho.de schicken mit Ihrem Namen, Arbeitsfeld, Arbeitsort. Dann wird Ihr Name in die Liste der Unterzeichner und Unterzeichnerinnen aufgenommen."

PALLIATIVVERSORGER WIESBADEN: OFFENER BRIEF AN DEN BUNDESGESUNDHEITSMINISTER

DGP veröffentlicht Update 2.0 der Handlungsempfehlung zur Therapie von Patient*innen mit COVID-19 aus palliativmedizinischer Perspektive

Berlin, 01.04.2020. Heute hat die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin das Update ihrer gemeinsamen „Handlungsempfehlung zur Therapie von Patient*innen mit COVID-19 aus palliativmedizinischer Perspektive 2.0“ vorgelegt.

Seit Erstveröffentlichung vor zwei Wochen haben die beiden medizinischen Fachgesellschaften vor dem Hintergrund bisheriger klinischer Erfahrungen und unter Einbezug aktueller Publikationen und Entscheidungshilfen maßgeblicher weiterer Fachgesellschaften die Empfehlung erweitert und spezifiziert: „In der aktuellen Situation der COVID-19-Pandemie müssen viele Fragen der Therapiezielfindung, Indikationsstellung und Eruierung des Patientenwillens bei Patient*innen mit COVID-19-Erkrankung, beantwortet werden.“

Die Grundsätze der Entscheidung zur Therapieeskalation und zur Therapielimitation stehen ebenso im Zentrum wie die Empfehlungen zur Symptomkontrolle bei Patient*innen mit Covid-19-Atemwegserkrankung. Diese sind um weitere wichtige Symptome ergänzt worden.

Handlungsempfehlung zur stationären Therapie von Patient*innen mit Covid-19 aus palliativmedizinischer Perspektive 2.0

DGP verlängert Frist zur Einreichung der beiden Förderpreise bis zum 30. April!

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) verlängert die Frist zur Einreichung von Arbeiten für ihre beiden Förderpreise über den geplanten 31. März hinaus bis zum 30. April!

Zur Förderung der klinischen Wissenschaft verleiht die DGP seit 1999 jährlich den Förderpreis für Palliativmedizin. Stifter des Preises war bis 2018 die Firma Mundipharma GmbH, seit 2019 wird der Preis von der DGP gestiftet. Zur Anerkennung des besonderen Engagements bzw. zur Förderung von Initiativen und Projekten im Rahmen der ambulanten Palliativversorgung verleiht die DGP außerdem seit 2008 den Anerkennungs- und Förderpreis für ambulante Palliativversorgung. Stifter des Preises ist die Firma Grünenthal GmbH.
FÖRDERPREISE

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: Schwerstkranke und sterbende COVID-19-Patient*innen müssen bei Luftnot und Angst auch jenseits der Beatmung adäquat versorgt werden!

Berlin, 18.03.2020. „Wir müssen in der Akutmedizin auf eine Häufung von Sterbefällen mit den Leitsymptomen Luftnot und Angst vorbereitet sein. Die Palliativmedizin möchte mit ihren heute veröffentlichten Handlungsempfehlungen sowie individueller Beratung die Kolleginnen und Kollegen auf den Akutstationen unterstützen und stärken.“ erklärt der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) Dr. Bernd Oliver Maier, Chefarzt für Palliativmedizin und Onkologie in Wiesbaden, zur vorgelegten Empfehlung zur Therapie von Patientinnen und Patienten mit COVID-19. „Zudem muss die palliativmedizinische Versorgung im ambulanten und stationären Sektor trotz erschwerter Rahmenbedingungen aufrechterhalten werden.“ Beide Aspekte sind Gegenstand der zweidimensionalen Handlungsempfehlung der DGP.

Akutkrankenhäuser müssen sich darauf einstellen, dass bei schwer oder mehrfach vorerkrankten Menschen die akute Ateminsuffizienz bei einer COVID-19-Infektion den Beginn des Sterbeprozesses markieren kann. DGP-Vorstandsmitglied Dr. Wiebke Nehls, Oberärztin der Lungenklinik Heckeshorn in Berlin und Bereichsleitung Palliativmedizin, betont: „Wir müssen zum frühestmöglichen Zeitpunkt Entscheidungen über mögliche Therapieeskalationen oder Therapielimitationen vor dem Hintergrund der Kenntnisse über Vorerkrankungen treffen. Das heißt, beim ersten Kontakt mit dem Patienten sind Inhalte von Vorausverfügungen regelhaft zu erfragen. Eine gut dokumentierte Festlegung zur Therapieeskalation kann Patienten vor Therapiemaßnahmen bewahren, die vor dem Hintergrund einer oder mehrerer schwerer Grunderkrankungen nicht zielführend sind.“ Gleichzeitig unterstütze dieses Vorgehen die sinnvolle Verteilung von medizinischen Ressourcen.

Sollte Atemnot trotz optimaler Therapie der Akuterkrankung bestehen bleiben, verweist Prof. Dr. Claudia Bausewein, Vorstandsmitglied der DGP, Chefärztin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am LMU Klinikum München sowie Leiterin der dortigen Atemnotambulanz, nachdrücklich auf medikamentöse Maßnahmen zur Symptomkontrolle, wie sie in der erst kürzlich veröffentlichten erweiterten S3-Leitlinie Palliativmedizin benannt werden: „So zählt zu den medikamentösen Maßnahmen mit guter Evidenz die Gabe von oralen oder parenteralen Opioiden. Retardierte Opioide mit einem kontinuierlichen Wirkspiegel zeigen eine bessere Linderung der Atemnot als nicht-retardierte Formen.“ Ebenso geht die von der DGP veröffentlichte Handlungsempfehlung auf in der Palliativversorgung etablierte Maßnahmen zur Behandlung der häufig mit Atemnot verbundenen Unruhe- und Angstsymptome ein.

Absolut unumgänglich wird sein, so die jahrzehntelang in der Palliativmedizin tätigen Internistinnen Claudia Bausewein und Wiebke Nehls wie auch ihr Kollege Bernd Oliver Maier, sowohl die Akutmedizin in der Begleitung sterbender Menschen zu unterstützen als auch die Palliativversorgung anderer schwerstkranker Menschen sicherzustellen: „Dies wird eine große Solidarität unter allen Mitarbeitenden im Gesundheitswesen erfordern.“

HANDLUNGSEMPFEHLUNG ZUR STATIONÄREN THERAPIE VON PATIENT*INNEN MIT COVID 19 AUS PALLIATIVMEDIZINISCHER PERSPEKTIVE

HANDLUNGSEMPFEHLUNG ZUR SICHERSTELLUNG PALLIATIVVERSORGUNG WÄHREND COVID-19-PANDEMIE

ERWEITERTE S3-LEITLINIE PALLIATIVMEDIZIN FÜR PATIENTEN MIT NICHT-HEILBARER KREBSERKRANKUNG

DGP PRESSEMITTEILUNG

 

Zum Umgang mit Off-Label-Use in der Palliativmedizin: Münchner Kompetenzzentrum Palliativpharmazie veröffentlicht mit der DGP zweite Auflage

olu 2Ab sofort steht die zweite Auflage der Broschüre „Zum Umgang mit Off-Label-Use in der Palliativmedizin“ in deutscher und englischer Version online zur Verfügung. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) freut sich, jedem Mitglied der DGP mit der Märzausgabe der Zeitschrift für Palliativmedizin ein Printexemplar zusenden zu können.

Der zulassungsüberschreitende Einsatz von Arzneimitteln („Off-Label-Use“) ist fester Bestandteil der palliativmedizinischen Pharmakotherapie. Neben rechtlichen Aspekten wie beispielsweise der Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenversicherungen ist vor allem die Arzneimitteltherapiesicherheit ein wichtiger Faktor. Durch den zulassungsüberschreitenden Arzneimitteleinsatz besteht eine nur eingeschränkt abschätzbare Gefährdung des Patienten durch ein nicht oder nur unzureichend geprüftes Arzneimittel. Off-Label-Use sollte daher nur innerhalb klarer therapeutischer Rahmenbedingungen stattfinden und die gemachten Erfahrungen zum Erkenntnisgewinn und Kompetenzzuwachs genutzt werden. Umso wichtiger ist es, dass alle an der medizinischen Versorgung beteiligten Berufsgruppen sowohl Unterstützung für Therapieentscheidungen aber auch für ein strukturiertes Vorgehen bei Behandlungsversuchen nicht zugelassener Therapien mit wenig oder keiner Evidenz bekommen.

Die Broschüre „Zum Umgang mit Off-Label-Use in der Palliativmedizin“ soll diese Unterstützung bieten. Seit heute ist sie in der 2. Auflage verfügbar und enthält als Neuerung u.a. Links zu weiterführendem Material. Neben der deutschen Broschüre können wir mit dieser Auflage zudem eine englische Version anbieten. Beide Broschüren werden von Dr. Constanze Rémi und Prof. Dr. Claudia Bausewein, Kompetenzzentrum Palliativpharmazie mit Zentralstelle Off-Label-Use, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am LMU Klinikum München gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) herausgegeben. Sie stehen online auf den Websites der beiden Herausgeber zur Verfügung, die Printausgabe der deutschen Fassung kann ab sofort in der Geschäftsstelle der DGP bestellt werden.

ZUM UMGANG MIT OFF LABEL USE IN DER PALLIATIVMEDIZIN

OFF LABEL USE IN PALLIATIVE MEDICINE

Bundesverfassungsgericht kippt Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung: DGP warnt vor freier Bahn für Sterbehilfeorganisationen

Berlin/Karlsruhe 26.02.2020. Die heutige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass das Verbot der „geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ gegen das Grundgesetz verstoße, eröffnet laut Deutscher Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) einen gefährlichen Spielraum: Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der DGP, warnt vor „freier Bahn für Sterbehilfeorganisationen“. Dies begründet er wie folgt: „Die Äußerung eines Sterbewunsches als konkrete Handlungsaufforderung zu verstehen, ist viel zu kurz gegriffen!“ Vielmehr drücke dieser oftmals das Anliegen aus, über das Leiden unter einer unerträglichen Situation und die persönliche Hoffnungslosigkeit zu sprechen. Ein vertrauensvoller Gesprächsprozess über den Sterbewunsch in all seiner Ambivalenz sorge für Entlastung und eröffne nach Erfahrung der DGP – mit 6.000 in der Palliativversorgung tätigen Mitgliedern – fast immer auch Perspektiven zur Linderung der belastenden Symptome und Nöte.

Statt mehr Spielraum für Sterbehilfeorganisationen hält die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin eine breite gesellschaftliche Diskussion über Rahmenbedingungen am Lebensende in Pflegeheimen, Krankenhäusern und im häuslichen Umfeld für dringend erforderlich: „Besonders alte und hochaltrige mehrfach schwersterkrankte Menschen müssen offen darüber sprechen können, wenn sie so nicht mehr leben können und wollen!“ Die DGP fordert eine Debatte, die weit über das Recht des Einzelnen auf eine adäquate Hospiz- und Palliativversorgung hinausgeht. Mit dem Konsensusprozess zur „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ hat die DGP bereits vor zehn Jahren gemeinsam mit der Bundesärztekammer und dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband begonnen, gesellschaftliche Tabus zu Sterben, Tod und Trauer infrage zu stellen.

DGP PRESSEERKLÄRUNG 26.02.2020

DGP PRESSEERKLÄRUNG 25.02.2020

DGP PRESSEERKLÄRUNG 20.02.2020 

 

Schwerstkranke mit einem Sterbewunsch müssen sich bis zum letzten Moment auf eine palliativmedizinische Behandlung verlassen können

Berlin / 25.02.2020 Zur für morgen erwarteten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum § 217 StGB hofft Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) „auf Klarstellung zum rechtlichen Spielraum für Ärztinnen und Ärzten in der Begleitung lebenslimitierend erkrankter Patienten mit einem Sterbewunsch.“ Radbruch betont: „Viele Menschen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben, zum Beispiel mit dem Abbruch oder dem Verzicht von lebenserhaltenden Behandlungsmaßnahmen. Selbst eine künstliche Beatmung muss nach geltendem Recht beendet werden, wenn der betroffene Patient dies wünscht. Wir brauchen deshalb mehr Informationen über die bestehenden Möglichkeiten, keine offene Tür für geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid.“

An erster Stelle: Achtung des Patientenwillens

Die DGP weiter: In der Palliativversorgung muss die Bitte um Beihilfe zum Suizid ernst genommen und respektiert werden. Es ist wichtig, mit dem Patienten über seine Wünsche und Ängste zu sprechen und alternative Optionen zur Leidensminderung aufzuzeigen. Dazu gehört eine umfassende Aufklärung über Möglichkeiten der Schmerz- und Symptomkontrolle, über Verzicht oder Beendigung von lebenserhaltenden Behandlungsmaßnahmen, unter Umständen auch über die Option der palliativen Sedierung sowie den freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken. Zum sogenannten Sterbefasten hatte die DGP erst kürzlich Position bezogen: „Die Achtung des Patientenwillens hört nicht beim freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken auf!“

In einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom Sommer 2019 war die Bedeutung und Verbindlichkeit des Patientenwillens noch einmal hervorgehoben worden: Dies durch den Freispruch zweier Ärzte, welche nicht in den Sterbeprozess ihrer Patienten eingegriffen hatten, da diese zuvor unmissverständlich lebenserhaltende Behandlungen abgelehnt hatten. Ähnliche Sicherheit in der palliativmedizinischen Begleitung von Schwerstkranken – auch bei geäußertem Sterbewunsch – erhofft sich die DGP vom morgigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

Durchaus zeitgleich: Wunsch zu sterben und zu leben

Ärztinnen und Ärzte müssen sich ebenso wie andere an der Patientenversorgung beteiligte Berufsgrup-pen respekt- und verantwortungsvoll mit Sterbewünschen auseinandersetzen. Bei Schwerstkranken, welche den Wunsch nach Beistand beim Suizid äußern, gilt es zunächst die Ursachen und Hintergründe genau zu eruieren. Urs Münch, Vizepräsident der DGP, Psychoonkologe und Psychologischer Psychotherapeut, unterstreicht: „Ein Mensch, der einen Sterbewunsch äußert, kann durchaus gleichzeitig auf einen alternativen Ausweg aus der für ihn unerträglichen Situation hoffen.“ Forschung mit schwer kranken Menschen hat diese doppelte Bewusstheit (double awareness) von Todes- und Lebenswunsch deutlich gezeigt. Palliativmediziner wissen, wie oft der Wunsch, nicht mehr leben zu wollen, vor allem ein Wunsch ist, „so“ nicht mehr leben zu wollen. Lukas Radbruch: „Die häufigste Begründung für einen Sterbewunsch, die ich höre, ist, niemandem zur Last fallen zu wollen.“

Deshalb sind vorrangig alle Optionen zur Linderung des Leidempfindens anzubieten. Hierzu gehören insbesondere palliativmedizinische, psychosoziale und seelsorgerische Angebote sowie Optionen der Therapiebegrenzung oder -beendigung bzw. – im Falle einer entsprechenden Indikation – auch der palliativen Sedierung oder der Begleitung beim freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken. Bei Zustimmung der Betroffenen sollten das engere soziale Umfeld und andere an der Versorgung beteiligte Personen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.

Mitwirkung am Suizid gehört nicht zu ärztlichen Aufgaben

Radbruch: „In diesen komplexen Situationen können ethische Fallkonferenzen eine Hilfe sein, welche in allen Krankenhäusern, aber noch dringender im Bereich der ambulanten Versorgung zu etablieren und finanzieren sind.“ Von entscheidender Bedeutung ist, dass der geäußerte Sterbewunsch freiverantwortlich jenseits einer psychischen Erkrankung oder äußeren Drucks getroffen wurde.

Gleichzeitig betont die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: „Unabhängig von der moralischen und ethischen Bewertung eines Suizids und der Bereitschaft, darüber offen und ohne Tabus zu sprechen, gehört die Mitwirkung daran nicht zu den ärztlichen Aufgaben. Der Suizid ist auch keine vom Arzt oder anderen Mitgliedern eines Behandlungsteams zu empfehlende Option.“

PRESSEMITTEILUNG

DGP: „Ob §217 StGB bestehen bleibt, geändert oder gekippt wird: Wie wir mit dem Sterbewunsch eines schwerkranken Menschen umgehen, kennzeichnet unsere Gesellschaft!“

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin zur mit Spannung erwarteten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe - Breite Diskussion über Rahmenbedingungen am Lebensende unabdingbar - Tabufreie Gespräche brauchen ihren Platz

DGP: „Ob §217 StGB bestehen bleibt, geändert oder gekippt wird: Wie wir mit dem Sterbewunsch eines schwerkranken Menschen umgehen, kennzeichnet unsere Gesellschaft!“

Berlin/20.02.20. Zur mit Spannung für den 26. Februar erwarteten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe betont Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP): „Unabhängig davon, ob der §217 StGB bestehen bleibt, geändert oder gekippt wird: Wie wir mit dem Sterbewunsch eines schwerkranken Menschen umgehen, sagt sehr viel über uns als Gesellschaft!“ Den Sterbewunsch zu respektieren, mit auszuhalten und offen darüber zu sprechen, verlange eine tabufreie Annäherung. Gleichzeitig gelte: „Die Äußerung eines Sterbewunsches als konkrete Handlungsaufforderung zu verstehen, ist viel zu kurz gegriffen!“

Mit schwerstkranken und alten Menschen offen über ihre Ängste sprechen

Die gegenwärtige Debatte unterstreiche vielmehr die immense Verantwortung unserer Gesellschaft, schwerstkranken und alten Menschen zu ermöglichen, bei Bedarf frühzeitig und unumwunden über die Gestaltung ihrer letzten Lebensphase sprechen zu können und ihnen einen Rahmen für die Beantwortung drängender Fragen zu bieten: „Wo möchte ich wie versorgt werden? Wie will und kann ich mein Lebensende gestalten? Welche Behandlungen lehne ich ab? Mit wem kann ich über mein Lebensende sprechen?“

Die Äußerung eines Sterbewunsches sei laut Radbruch, welcher als Sachverständiger zur Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts über § 217 StGB im April 2019 geladen war und an der Urteilsverkündung in Karlsruhe teilnehmen wird, oftmals ein Hilferuf oder drücke das Anliegen aus, über das Leiden unter einer unerträglichen Situation und die persönliche Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit zu sprechen. Ein vertrauensvoller Gesprächsprozess über den Wunsch zu sterben sorge für Entlastung und eröffne nach Erfahrung der DGP – mit 6.000 in der Palliativversorgung tätigen Mitgliedern – fast immer auch Perspektiven zum Umgang mit den Belastungen.

Palliativmedizin kann fast immer schwere Belastungen ausreichend lindern

Radbruch: „Als Palliativmediziner haben wir viel praktische Erfahrung im Umgang mit Todeswünschen und erleben fast nie, dass Schmerzen oder Luftnot oder anderes Leid nicht ausreichend gelindert werden können.“ Auszuloten seien Optionen zur Linderung und Minderung körperlicher Symptome und psychosozialer Nöte ebenso wie Verzicht auf oder Beendigung von lebenserhaltenden Behandlungsmaßnahmen. Als ultima ratio können mit der palliativen Sedierung Patienten, bei denen eine ausreichende Linderung des Leidens nicht oder nicht schnell genug möglich ist, in einen künstlichen Dauerschlaf versetzt werden. Zudem steht es schwerstkranken Menschen frei, freiwillig auf Essen und Trinken zu verzichten – mit angemessener Begleitung kann sichergestellt werden, dass dies ohne Hunger und Durstgefühl geschehen kann.

Besonders alte und hochaltrige mehrfach schwersterkrankte Menschen müssen offen über ihre Sterbewünsche sprechen können, ohne befürchten zu müssen, fortan vor allem hinsichtlich einer Suizidprävention betrachtet und behandelt zu werden. „Das ist nach wie vor ein Tabu in unserer Gesellschaft“, so Dipl.-Psych. Urs Münch, Vizepräsident der DGP: „Für enge Vertraute wie für professionell Behandelnde ist schwer zu ertragen, dass ein schwerkranker Mensch sein Leben so nicht mehr möchte.“ Dies löse verständlicherweise das Bedürfnis aus, das Gegenüber mit allen verfügbaren Mitteln vom Sterbewunsch abbringen zu wollen. Jedoch könne das dessen Not und emotionale Einsamkeit erheblich verstärken und gleichzeitig verhindern, einfach gemeinsam die Hilf- und Hoffnungslosigkeit auszuhalten und Perspektiven in Ruhe auszuloten.

DGP fordert breite gesellschaftliche Diskussion über das Lebensende

Die aktuellen Belastungen allein sind laut Radbruch selten die Auslöser für einen Sterbewunsch. In der Regel ist es die Angst vor belastenden Symptomen in der Zukunft, welche den Wunsch verstärkt, über das Ende des eigenen Lebens selbst entscheiden zu können, um nicht leiden oder anderen Menschen zur Last fallen zu müssen.

Statt mehr Spielraum für Sterbehilfeorganisationen hält die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin eine breite gesellschaftliche Diskussion über Rahmenbedingungen am Lebensende in Pflegeheimen, Krankenhäusern und im häuslichen Umfeld für dringend erforderlich. Diese geht weit über das Recht des Einzelnen auf eine adäquate Hospiz- und Palliativversorgung hinaus. Mit dem Konsensusprozess zur „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ hat die DGP bereits vor zehn Jahren gemeinsam mit der Bundesärztekammer und dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband begonnen, gesellschaftliche Tabus zu Sterben, Tod und Trauer infrage zu stellen.

KONTAKT / INTERVIEWWÜNSCHE

Karin Dlubis-Mertens, Presse-/Öffentlichkeitsarbeit, E-Mail: redaktion@palliativmedizin.de, Tel: 030 / 30 10 100 13

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zum freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken, 16.10.2019 https://www.dgpalliativmedizin.de/category/167-stellungnahmen-2019.html?download=953

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vom 12.03.2019 im Vorfeld der mündlichen Verhandlung des 2. Senats des Bundesverfassungsgerichts am 16. und 17. April 2019 in Sachen § 217 StGB (geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung) zu den Verfassungsbeschwerdeverfahren 2 BvR 651/16, 2 BvR 1261/16, 2 BvR 2347/15, 2 BvR 1593/16, 2 BvR 2354/16, 2 BvR 2527/16
https://www.dgpalliativmedizin.de/phocadownload/DGP%20Stellungnahme%20Verhandlung%20BVerfG%20120319.pdf

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vom 14.02.2019 zum Antrag der Abgeordneten Katrin Helling-Plahr, Stephan Thomae, Grigorios Aggelidis, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP „Rechtssicherheit für schwer und unheilbar Erkrankte in einer extremen Notlage schaffen“
https://www.dgpalliativmedizin.de/phocadownload/stellungnahmen/DGP_Stellungnahme_Rechtssicherheit_fr_schwer_und_unheilbar_Erkrankte_130202019.pdf

Tolmein O, Simon A, Ostgathe C, Alt-Epping B, Melching H, Radbruch L et al: Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung. Balanceakt in der Palliativmedizin. Deutsches Ärzteblatt 2017; 114: A 302-307.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/186377/Verbot-der-geschaeftsmaessigen-Foerderung-der-Selbsttoetung-Balanceakt-in-der-Palliativmedizin

Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§ 217 StGB): Hinweise und Erläuterungen für die ärztliche Praxis. Bekanntmachung der Bundesärztekammer. Deutsches Ärzteblatt 2017; 114: A 334 – 336.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/186360/Verbot-der-geschaeftsmaessigen-Foerderung-der-Selbsttoetung-

Nauck F, Ostgathe C, Radbruch L: Ärztlich assistierter Suizid: Hilfe beim Sterben – keine Hilfe zum Sterben. Deutsches Ärzteblatt 2014; 111: A 67-71.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/152921

Jansky M, Jaspers B, Radbruch L, Nauck F: Einstellungen zu und Erfahrungen mit ärztlich assistiertem Suizid. Eine Umfrage unter Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Bundesgesundheitsbl 2017, 60: 89- 98.
https://www.springermedizin.de/einstellungen-zu-und-erfahrungen-mit-aerztlich-assistiertem-suiz/11096338

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP) steht seit ihrer Gründung am 2. Juli 1994 für die interdisziplinäre und multiprofessionelle Vernetzung: Mehr als 6.000 Mitglieder aus Medizin, Pflege und weiteren Berufsgruppen engagieren sich in der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für eine umfassende Palliativ- und Hospizversorgung in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Die Palliativmedizin konzentriert sich auf die bestmögliche medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Behandlung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer An- und Zugehörigen. www.palliativmedizin.de

PRESSEMITTEILUNG

Palliativmedizin wichtiges Thema beim 34. Deutschen Krebskongress in Berlin - DGP freut sich auf interessierte Besucher/innen

Prof. Dr. Bernd O. MaierProf. Dr. Claudia BauseweinDer Themenblock Palliativmedizin beim 34. Deutschen Krebskongress (DKK 2020) in Berlin startet heute mit einer Plenarsitzung zur Palliativ- und Supportivtherapie, die von DGP-Vizepräsident Dr. Bernd-Oliver Maier, Chefarzt der Klinik für Onkologie und Palliativmedizin am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden, mit dem Thema „Palliativtherapie: Grundsätze und Versorgungsstrukturen sowie Wege zur frühen Integration von Palliativversorgung“ und von DGP-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am LMU Klinikum München, mit einem Vortrag zu „Supportivtherapie: Problemfall Prognoseabschätzung“ eingeleitet werden.

DKK 3Ausgewählte Veranstaltungen zum Thema Palliativmedizin finden an allen drei Tagen des 34. Deutschen Krebskongress in Berlin statt. Insgesamt werden mehr als 10.000 Teilnehmende zum DKK 2020 erwartet.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin ist mit einem Stand auf dem DKK vertreten und freut sich insbesondere auf Begegnungen mit Betroffenen, Angehörigen und Interessierten am 9. Krebsaktionstag am Samstag, 22. Februar.

PLENARSITZUNG PALLIATIV/SUPPORTIVTHERAPIE

PROF BAUSEWEIN IM DKG VIDEO ZU PALLIATIVVERSORGUNG

PROBLEMFALL PROGNOSE

PALLIATIVMEDIZIN BEIM DEUTSCHEN KREBSKONGRESS

34. DEUTSCHER KREBSKONGRESS

Dialogforum im Bundesfamilienministerium zur Betreuung unheilbar erkrankter Kinder und ihrer Familien

dialogforumWie sieht die stationäre und ambulante Betreuung unheilbar erkrankter Kinder und ihrer Familien aus, welche Verbesserungen braucht es in der Kinder- und Jugendhospizarbeit? Anlässlich des Tages der Kinderhospizarbeit diskutierten rund 70 Fachleute diese Fragen bei einem DIALOGFORUM im Bundesfamilienministerium.

Auch in der "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland", welche 2020 ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, gibt es ein eigenes Handlungsfeld, das die Bedürfnisse schwerstkranker junger Menschen in den Fokus nimmt. Das Bundesfamilienministerium fördert zur Umsetzung der Charta-Handlungsempfehlungen die Koordinierungs- und Vernetzungsstelle für Hospiz-und Palliativversorgung.

KOORDINIERUNGSSTELLE HOSPIZ UND PALLIATIVVERSORGUNG

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